Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald

„Am Zahn hängt auch ein Mensch“

Die zahnmedizinische Prothetik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem zahntechnisch geprägten Fach zu einer präventiv orientierten, restaurativen Oralmedizin entwickelt. Dazu erfolgte mit der Einführung von Hochleistungswerkstoffen und computergestützten Diagnose-, Planungs- und Fertigungsverfahren eine rasante Entwicklung der neuen Technologien. Das Leistungsspektrum ist somit sehr vielseitig und anspruchsvoll.

Der Poliklinik gehören drei Oberärzte/innen, sieben Assistenzzahnärzte/innen, sieben zahnmedizinische Fachangestellte, vier Zahntechniker/innen, eine dentale Ingenieurin, zwei Mathematiker/Informatiker sowie eine Sekretärin und zwei weitere Personen für die Administration der Masterstudiengänge an. Geleitet wird die Poliklinik von Direktor Prof. Reiner Biffar, stellvertretender Direktor ist Prof. Bernd Kordaß.

Der Poliklinik sind weitere Funktionsbereiche unter der Leitung von Prof. Bernd Kordaß zugeordnet: Die Abteilung „Zahnmedizinische Propädeutik/Community Dentistry“, die Abteilung „Digitale Zahnmedizin (CAD/CAM) – Okklusions- und Kaufunktionstherapie“ und das Weiterbildungsbüro/Prüfungssekretariat für vier postgraduale Masterstudiengänge.

Für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist die Poliklinik ein Partner für Überweisungen von Patienten mit schwierigen Gebisssituationen sowie altersassoziierten Einschränkungen. In Spezialsprechstunden werden chronische Schmerzpatienten, Patienten mit Einschränkung des Kiefergelenks oder mit Unverträglichkeiten auf zahnärztliche Werkstoffe sowie kiefer- und gesichtsversehrte Patienten behandelt. Wichtiger Aufgabenbereich ist zudem die Alterszahnmedizin. Patienten mit speziellen Anforderungen des Alters oder mit Einschränkungen werden innerhalb und auch in externen Einrichtungen, wie z. B. im Neurorehabilitationszentrum, behandelt.

Im Zahnmedizinstudium an der UMG übernimmt die zahnärztliche Prothetik große Anteile in der vorklinischen und klinischen Lehre. Bereits in den ersten Semestern werden die Studierenden in dem strukturierten Lehrprogramm „Der frühe Patientenkontakt“ auf den Patienten vorbereitet. Leitgedanke ist: „Am Zahn hängt auch ein Mensch“. Ab dem siebten Semester behandeln die Studenten in enger Kooperation mit der Poliklinik für Zahnerhaltung – unter Anleitung von erfahrenen Zahnärzten – selbstständig Patienten. Je nach Therapieschritt wird der Student von einem Fachkollegen betreut, so dass der Patient wie in einer zahnärztlichen Praxis behandelt wird. Die Betreuung der Studierenden durch Oberärzte und Assistenten nimmt innerhalb des Semesters die Hälfte der Arbeitszeit der angestellten Zahnärzte ein, während der restlichen Zeit werden eigene Patienten (u.a. aus Überweisungen, aber auch im freien Zugang) behandelt.

Natürlich spielt die Forschung in der Abteilung eine wichtige Rolle. Forschungsgebiete der Poliklinik umfassen alle wesentlichen Aspekte des Faches, insbesondere die Zusammenhänge zwischen Gehirn, Muskulatur, Stoffwechsel und Zähnen/Zahnersatz, die werkstoffkundliche Testung neuer Verfahren und Materialien, die Neuentwicklung von klinischen Studien im Umfeld der täglichen Praxis, die Digitale Zahnmedizin/CAD/CAM und die Unterrichtsforschung. Dazu kommt als ein klinischer Forschungsschwerpunkt die Implantatprothetik sowie die Auswertung der SHIP-Studie hinsichtlich des Zahnverlustes und der prothetischen Versorgung. Neben der Auswertung der Daten ist die Poliklinik auch an vielen Forschungskooperationen in der Medizin mit den SHIP-Studien beteiligt. In der Alterszahnmedizin werden die Einflüsse von zahnärztlichen Problemen zur Multimorbidität, Polypharmazie und Mortalität untersucht. Außerdem werden Empfehlungen im Umgang mit den Senioren für die Praxis, aber auch in der Versorgungsstruktur der Bevölkerung erarbeitet. Zahnärzte sind als Präventionsärzte ausgebildet und damit nicht nur in den Grenzen der Zahnmedizin tätig. Mit Hilfe einer umfangreichen EU-Förderung des Landes baut die Poliklinik federführend mit Kooperationspartnern in der UMG und externen Unternehmen ein flächendeckendes Projekt der allgemeinen Prävention in der Medizin zur betrieblichen Gesundheitsförderung auf [PaKt-mv mobil/Mobile Prävention und Gesundheitsförderung für Arbeitnehmer zur Reduktion von Krankheitstagen und Berufsunfähigkeit durch Motivation und Verhaltensänderung].