Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald

Zahnbetterkrankungen Einhalt gebieten

Die Abteilung Parodontologie ist ein Teilbereich der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde. Die Mitarbeiter behandeln Erkrankungen rund um das Zahnbett, die den Zahnerhalt gefährden können.

Jeder hatte im Laufe seines Lebens schon einmal eine Zahnbettentzündung (Gingivitis). Diese wird durch Bakterien verursacht, die zur physiologischen Mundflora gehören und sich unter bestimmten Bedingungen stark vermehren können. Besonders gut wachsen Bakterien am Zahnhals und in den Zahnzwischenräumen. Das Zahnfleisch ist geschwollen, blutet beim Zähneputzen und bei der Nahrungsaufnahme. Sehr selten treten Schmerzen auf. Häufig klagen die Patienten über Mundgeruch. Durch eine verbesserte Mundhygiene und professionelle Zahnreinigungen können wieder gesunde Verhältnisse geschaffen werden.

Im Alter zwischen 35 und 40 Jahren kann sich unbemerkt aus der reversiblen Gingivitis ohne Knochenabbau eine Entzündung des gesamten Zahnbettes (Parodontitis) mit Abbau des Kieferknochens entwickeln. Zahnfleischtaschen, Zahnlockerungen, Zahnwanderungen und in letzter Konsequenz Zahnverlust sind die Folge. Auch hier sind die bakteriellen Zahnbeläge oberhalb und unterhalb des Zahnfleisches die Ursache. Der übergang von einer reversiblen Gingivitis zu einer irreversiblen Parodontitis wird unter anderem durch Rauchen, Stress, Diabetes und eben unzureichende Mundhygiene gefördert. In Deutschland sind etwa 15 bis 20 % der Bevölkerung von einer stark fortgeschrittenen Parodontitis betroffen, jeder dritte Zahn wird wegen einer Parodontitis extrahiert.

Bei der Behandlung einer Parodontalerkrankung müssen die bakteriellen Beläge entfernt werden. Die Dentalhygienikerin oder zahnmedizinische Prophylaxeschwester gibt dabei Hilfestellung zur optimalen Entfernung der sichtbaren Zahnbeläge bei der häuslichen Mundhygiene. Zahnbeläge unterhalb des Zahnfleisches müssen vom zahnärztlichen Team in mehreren Sitzungen entfernt werden. Im Anschluss an die aktive Behandlung werden parodontalerkrankte Patienten zwischen 3 und 6 Monaten für professionelle Zahnreinigungen einbestellt. Parodontalerkrankungen sind chronische Erkrankungen, die eine lebenslange professionelle Betreuung wie bei Bluthochdruck oder Diabetes benötigen.

In der SHIP-Studie und dem Projekt GANI_MED untersuchen wir, ob Parodontalerkrankungen auch ein Risiko für systemische Erkrankungen darstellen. Denn Bakterien, die eine Parodontitis verursachen, können über die Blutbahn in den Körper wandern und das Erkrankungsrisiko und die Erkrankungsverläufe für systemische Erkrankungen ungünstig beeinflussen. Solche Wechselwirkungen zeigten sich z.B. bei Diabetes. Es kann nicht nur an Zähnen zum Knochenabbau durch Entzündung kommen, sondern auch an Implantaten. Weiter wurde festgestellt, dass parododontal erkrankte Patienten mit Implantaten von diesem Problem stärker betroffen sind. In Zusammenarbeit mit dem INP (Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.) und deutschen Firmen untersuchen wir Möglichkeiten, Implantate mit einer Periimplantitis (Entzündung des Gewebes um Implantate herum) zu behandeln.

Leistungen der Abteilung Parodontologie

  • Diagnostik, Behandlung und Nachsorge der chronischen und aggressiven Parodontitis
  • Kontinuierliche Behandlung und Überwachung von Risikopatienten (Organtransplantate, Dialysepatienten, behinderte Patienten, Patienten vor und nach einer Tumortherapie)
  • Deckung freiliegender Wurzeloberflächen
  • Zahnimplantate im parodontal geschädigten Gebiss
  • Behandlung von Periimplantitis
  • Beratung und Behandlung bei Mundgeruch

Patienten können mit oder ohne überweisungsschein zu uns kommen. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin: Telefon (03834) 86-71 27, 86-19 631 oder 86-71 77