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Fachschaft Zahnmedizin
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17489 Greifswald
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Studieren, wo andere Urlaub machen

Juliane Köchy und Lukasz Jablonowski für das Magazin dentalfresh #1 2007

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald liegt an der Ostseeküste zwischen Usedom und Rügen im landschaftlich reizvollen Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihren 50.000 Einwohnern, von denen 10.000 Studenten sind, ist sie nicht wie andere Städte ein Ort mit einer Universität, sondern eine Universität mit ihrer eigenen Stadt.

Im vergangenen Jahr feierte die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ihr 550-jähriges Jubiläum. Ein Höhepunkt der mehrmonatigen Feier war der Festakt im Dom St. Nikolai mit der schwedischen Königin und unserem Bundespräsidenten Horst Köhler als Ehrengäste. Nicht nur geografisch besteht eine Nähe zu den skandinavischen Ländern, sondern auch geschichtlich, denn seit der Gründung der Universität im Jahre 1456 gehörte Greifswald in den Jahren 1648–1815 zu Schweden und zeitweise auch zu Dänemark. Heute pflegen die Universität und unsere Zahnklinik zahlreiche Partnerschaften mit verschiedenen Universitäten in Europa, unter anderem mit der Universität Malmö, von denen viele Studenten im klinischen Abschnitt profitieren.

Bevor man sich aber mit einem Auslandssemester belohnen kann, gilt es die zweieinhalb Jahre Vorklinik erfolgreich zu meistern. Die Greifswalder Universität besitzt mittlerweile einen neuen zweiten Campus, auch unser Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist mit einem neuen Gebäude dort vertreten.
Somit findet man in der alten Zahnklinik nur noch die „Kegelbahn“, die von eifrigen Vorklinikern besetzt ist, die fleißig an ihren Arbeiten für den TPK- und Phantom-Kurs arbeiten. Im Sommer ist es nicht selten, dass die Kegelbahn mit ihrem Flachdach, der strahlenden Mittagssonne und durch die 40 Bunsenbrenner, sich auf 33 Grad erhitzt. Bei diesen Temperaturen nimmt das Wachs freiwillig die richtige Form an, und vor dem Erreichen des Siedepunktes kommt es auch vor, dass der Professor die Studenten mit einem Eis abkühlt. Denn auch die Büros der Professoren, die Labore der Kliniker und nicht zuletzt der Fachschaftsraum befinden sich am alten Fleck in der Rotgerberstraße 8.

Die ehemalige Nutzungsweise des alten Standortes der Zahnklinik als Gasthaus wird deutlich im verwinkelten Bau wie auch an der Kegelbahn. Heute wird dort erst bei Scheinvergabe gefeiert, wenn sich Geduld und eine ruhige Hand beim Präparieren und Modellieren bewährt haben.

Wie die Approbationsordnung es vorsieht, müssen unsere Vorkliniker ihr Vorphysikum am Ende des zweiten Semesters absolvieren, wobei die Physik als die größte Hürde erscheint.

In den darauffolgenden Semestern gilt es Scheine in der Anatomie, Histologie, Biochemie und Physiologie zu sammeln, wobei seitdiesem Jahr in der Physiologie eine Seminarklausur bestritten werden muss. Jeder dieser Scheine wird behutsam aufgehoben, denn jedes der Fächer ist mit einem hohen Leistungsniveau und großem Lernaufwand verbunden.

Motivation erhält man durch die vielen zusätzlichen Veranstaltungen, durch die man einen kleinen Einblick in den späteren Arbeitsalltag erhält. Ab dem ersten Semester werden Community Dentistry Vorlesungen gehalten, auf denen ein Projekt in einer Senioreneinrichtung, einem Wohnheim für Alkoholabhängige oder einem betreuten Wohnen der Diakonie aufbaut. Hier bekommt man die Möglichkeit, erstmalig einen eigenen Patienten prophylaktisch zu betreuen. Im vierten Semester folgt dann ein Präventionspraktikum, das gruppenprophylaktische Maßnahmen in Kindergärten und Schulen umfasst. Man wird so aus dem Studienalltag des Lernens herausgeführt und erlebt eine prägende und lehrreiche Abwechslung. Hierbei erfährt man auch, welche Bedeutung der oft ausgesprochene Satz unseres Professors „An jedem Zahn hängt auch ein Mensch“ trägt.

Am Ende des fünften Semesters ist dann die zweite Hürde in Form des vierwöchigen Physikums zu überspringen. Läuft alles wie geplant, landet man im sechsten Semester in der Klinik. Nun beginnen der Phantom-Kurs III und in den nachfolgenden Studienjahren die Patientenkurse. Spätestens hier beginnt das Pendeln zwischen den beiden Standorten der Zahnklinik. Da Greifswald nicht besonders groß ist, kann man das Labor in der alten Zahnklinik mit dem Artikulator verlassen und ist in zehn Minuten am Behandlungsstuhl in der neuen Klinik. Wobei der heikle Transport auf dem Fahrrad kein Thema ist, da ein Fahrdienst diesen in regelmäßigen Abständen übernimmt. Aus der Sicht der Vorklinik erscheint die Arbeit in der Klinik als Belohnung aller Bemühungen und man sehnt sich dem Examen entgegen.

Damit man sich nach etwa elf Semestern nicht arm studiert hat,ist der Fachschaftsrat immer bemüht zu helfen, wo er kann. So gehört zu unseren Aufgaben nicht nur der Verkauf von Zahnbürsten und -pasten im Studentenshop, die Unterstützung von Feiern, die Veranstaltung der Erstsemester-Woche und als Hauptaufgabe die Vertretung der Studierenden der Zahnmedizin, sondern auch die Kontaktpflege zu zahlreichen Firmen und das Aushandeln von studentenfreundlichen Preisen.

Der Spruch „Wer nach Greifswald kommt weint zweimal“ begleitet jeden Studenten seit dem ersten Semester.Das Studium der Zahnmedizin beginnt immer im Wintersemester, draußen ist es dunkel und kalt und die Anforderungen am Beginn sehr hoch und im schlimmsten Fall wusste man nicht einmal wo das Örtchen Greifswald liegt. Spätestens an dieser Stelle kommen vielen Studenten die ersten Tränen. In den folgenden Monaten ist es sehr leicht, im Semester Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen.Man genießt die schönen Seiten der Stadt am Meer: geht Segeln, bestaunt Kunstwerke von lokalen Künstlern wie Casper David Friedrich, oder schaut sich seine Motive in der nah gelegenen Natur an, man sonnt sich am Strandbad Eldena, macht einen Ausflug nach Hiddensee und lässt den Tag bei einem Grillabend am Greifswalder Bodden ausklingen.Wenn es nun nach erfolgreichem Staatsexamen heißt Abschied zu nehmen, wird man auch als jahrelang geschliffener und polierter Zahnmediziner es nicht vermeiden können, zum zweiten Male eine Träne zu vergießen.

Wir hoffen, dass ihr ein wenig neugierig auf unsere kleine Stadt am Ryck geworden seid und euch vielleicht selbst einmal bei einer Reise durch Mecklenburg-Vorpommern ein Bild machen könnt.


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