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Nizza

Erfahrungsbericht – Erasmus in Nizza
2010/2011

Seit Beginn des 1. Semesters wusste ich, dass es möglich ist, in der Klinik (im 9. Semester) für einige Monate ins Ausland zu gehen. Und damals hatte ich schon für mich beschlossen, dass ich das machen werde. Da ich als Schüler bereits ein Jahr im Ausland war, hatte mich früh das Fernweh gepackt. Als es denn endlich so weit war, entschied ich mich für Frankreich. In der Schule war ich nie wirklich gut in Französisch, aber ich hatte nun Lust die Sprache und Land und Leute kennen zu lernen. Als es hieß, die Partneruni für Zahnmedizin sei in Nizza am Mittelmeer, war ich nicht traurig.

Hafen
Blick vom Mt Boron auf Nice

Da es seit Jahren einen Austausch mit der Universität in Nizza gibt, waren das Bewerben und die Vorbereitungen in Greifswald problemlos. Einige Formulare zum Ausfüllen, fertig.

Schwieriger war es eine Unterkunft in Nizza zu finden. Leider waren die Anmeldefristen fürs Wohnheim früh abgelaufen, sodass ich mir privat eine Wohnung suchen musste. Wer also einen Wohnheimplatz möchte, sollte sich sobald er alle Unterlagen hat, schnellstmöglich darauf bewerben! Von den Betreuern aus Frankreich bekamen wir bei der Wohnungssuche leider keine Unterstützung.

Promenade des Anglais
Promenade des Anglais

Ich habe dann im Internet auf einer der wenigen WG-Börsen nach einer WG gesucht. Das war von Deutschland aus sehr schwierig und ich habe auch nichts gefunden. Ich habe also in Nizza die ersten Tage Couchsurfing gemacht und von dort weiter die Wohnungsanzeigen studiert. So konnte ich auch die Zimmer besichtigen, die einem da untergejubelt werden sollten. Nach 3 Tagen hab ich schließlich zu meiner Erleichterung was Nettes gefunden. Nicht weit weg von Uni (Fac St Angely) und Krankenhaus (Hôpital St Roch, 20min zu Fuß). Meine Mitbewohner, ein Franzose und eine Spanierin, waren auch super nett und aufgeschlossen. Ich hatte wohl Glück gehabt! Mein Zimmer war zwar etwas karg eingerichtet, aber der französische Balkon auf der Südseite hat für alles entschädigt. Und in wenigen Tagen, war alles ganz hübsch eingerichtet und das Abendteuer konnte weitergehen!

Ein paar Tage vor Unibeginn sollten wir uns bei Mr. Medioni, dem Ansprechpartner für die Zahnmediziner in Nizza, melden. Er hieß uns herzlich willkommen, füllte noch einige Formulare mit uns aus und zeigte uns die Vorlesungsräume und das Krankenhaus. Die Zahnmediziner haben auch wie in Deutschland einen Stundenplan. Kein lästiges Einschreiben. Wir wurden einfach in unser Semester eingestuft. 9. Semester. Montag und Donnerstag waren Vorlesungstage. Dienstag, Mittwoch und Freitag arbeiten alle Studenten im Krankenhaus. Mr. Medioni hatte veranlasst, dass die Erasmusstudenten mit französischen Stuhlpartnern zusammen arbeiten und somit einen direkten Ansprechpartner haben. Die erste Woche sollte ich im Krankenhaus zusehen, um den Ablauf kennen zu lernen. Mein Stuhlpartner hatte mir ein paar von seinen Patienten abgegeben und eine Patientin hatte ich von einen der Ärztinnen bekommen. Die Patientensuche regelte sich also von selbst.

Hopital St. Roch
Das Hôpital St. Roch

Ein typischer Kliniktag unterscheidet sich kaum von dem in Deutschland. Außer: es ist alles viel entspannter! Um 8.15 war der erste Patient einbestellt. Bis 12.30 Uhr war Behandlungszeit. Dann folgte eine lange Mittagspause bis 14 Uhr. Wir waren meist in der Kantine essen. Echt gut. Leckere Vorspeisen, Käseteller, soviel Baguette zum dazu essen wie man mochte, unterschiedliche Hauptgänge, Obst, Desserts und kostenloses Tischwasser. Am Nachmittag fand dann irgendein anderer klinischer Kurs statt. Kinderkurs, Schmerzdienst oder assistieren bei den Oberärzten. Pünktlich um 18 Uhr war Feierabend. Freitags auch schon um 16 Uhr. Mittwochvormittag hatte ich frei. Vorlesungen gab es zu Kinderzahnheilkunde, KFO, Endo, Implantologie, Prothetik, Paro und Werkstoffkunde.

Nizza bei Nacht
Nizza bei Nacht 1

Nizza bei Nacht
Nizza bei Nacht 2

In den ersten Wochen sind alle Erasmusstudenten sehr aufgeschlossen und man kann in den sozialen Netzwerken wie facebook.com auf den entsprechenden Plattformen rausfinden, wann die ersten Einführungsveranstaltungen sind. Auch gut war http://www.erasmus-nice.fr. Auf der Seite stand zum Beispiel wann Kinotag war, wann ein Erasmusabend etc. war.

Stuhlpartner
In der Klink mit meinem Stuhlparter

Nizza ist eine tolle Stadt. Man fühlt sich schnell wohl. Nette Menschen, tolles Wetter und viel zu erleben: tolle Märkte, Museen, eine niedliche Altstadt, Strand, … Es wurde nie langweilig. Ich bin an den Wochenenden oder an einem freien Tag mit den regionalen Bussen für einen Euro oder dem Zug in eine der Nachbarstädte gefahren und habe diese erkundet. So war ich mit Freunden in Cannes, Antibes, Monaco, Menton, Éze, St. Paul de Vence und anderen interessanten Orten.

Fischmarkt
Fischmarkt an der Tramhaltestellte Libération

Ansonsten hatte sich langsam der Alltag eingeschlichen. Montags war ich abends beim Sport. Gleich um die Ecke von meiner Wohnung war ein Fitnesscenter. Ich war mit einer französischen Freundin im Gym suèdoise. Dienstags waren wir oft beim Erasmus Kinoabend. Fast jeden Mittwoch gab es irgendeine Erasmusparty. Ab und zu haben wir in der WG gekocht oder man hat sich abends mit Freunden aus dem Semester oder anderen Erasmusstudenten in einer der vielen Bars in der Altstadt getroffen.

Hafen in Antibes
Hafen in Antibes

Die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Das Erasmussemester hat mir sehr gut gefallen. Und ich würde es sofort wieder machen. Das 9. Semester ist die richtige Zeit. Man hat selbst schon behandelt und kann dort einfach im Klinikum mitarbeiten. Also Zahnis – Ab ins Ausland!!



letzte Änderung
01.03.2012