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Nachdem die ganzen Formalitäten erledigt waren, und ich dachte immer die Deutsche Bürokratie sei schlimm…, gings Ende September auf nach Newcastle upon Tyne.
Es war ein unbeschreibliches Abenteuer. Ich danke allen, die es möglich gemacht haben, dass ich hier studieren durfte.
Bereits mit Ankunft in England verschlug es mir die Sparche. Da ich noch keinen Platz im Studentenwohnheim hatte, startete ich meinen Auslandsaufenthalt mit Couchsurfing. Irish- John hat mir bereits am ersten Tag die besten Plätze in Newcastle gezeigt, von denen wussten nicht mal die Studenten hier.
Am zweiten Tag machte ich mich dann mit Sack und Pack auf zur Uni. Dort wurde ich sehr herzlich von Dr. Moore, dem Auslandskoordinator, empfangen. Michael, er verbrachte 2009/10 das Wintersemester in Greifswald und Lewis, ein Freund von ihm, haben mich durch die Uni geführt. Sie zeigten mir alle Abteilungen und machten mich mit den Regeln des Behandelns in der Klinik vertraut. Am darauffolgenden Tag lernte ich die Leute aus meiner Semestergruppe kennen. Sie empfingen mich mit einem großen Hallo und prompt wurde ich auch gleich zum Abendessen eingeladen. Mike, Mark, Lucy, Hannah, Charlotte, Kathleen, Jen und Sushil waren die ganzen Monate über einfach hinreißend. Wir unternahmen auch neben der Uni viel miteinander, hatten coole “nights out”,zum Beispiel an Halloween, eine Weihnachtsfeier und sogar einen Trip nach Edinburgh, Lucys Daheim.
Mein Studium hier lief langsam an. Die ersten zwei Wochen habe ich eigentlich nur assistiert und den Anderen beim Behandeln zugesehen, da ich noch keinen Platz im System hatte. Mitte der dritten Woche startete ich durch. Am Anfang war es etwas ungewohnt, da ich mich erst an die englischen Methoden gewöhnen musste. Es läuft alles sehr hygienisch in der Klinik ab, man wäscht sich eigentlich den Großteil der Zeit die Hände und wechselt die Handschuhe.
Füllungen werden die gleichen gelegt wie in Deutschland, jedoch ist die Indikation für Kunststofffüllungen weiter gegriffen als bei uns an der Uni. Selbst im Backenzahnbereich bei nur noch einem vorhandenen Höcker wird häufig Composite als Mittel der Wahl angewendet. Am meisten Spaß gemacht haben die prothetischen Arbeiten. Totalprothesen mit nur statischen Kontakten sind in England Alltag.
Das Highlight meines Behandlungskurses hier war jeder zweite Montag und zwei Wochen extra auf der chirurgischen Abteilung. Dort habe ich neben einfachen Extraktionen auch Osteotomien zur Entfernung von Weiheitszähnen mit Skalpell und Knochenfräse durchführen dürfen.
Das Freizeitangebot der University of Newcastle ist schon fast ein bisschen amerikanisch. Es gibt unzählige Societies. Dieses unglaubliche Freizeitangebot musste ich natürlich nutzen! Deshalb ging es für mich, neben Dentsoc, die Society der Zahnmedizinstudenten, zum Klettern und zum Yoga. Und für den Geist trat ich der Hindu und Sikh society bei, die neben Kinoabenden mit Bollywoodstreifen, auch Ausflüge zu Tempeln und zum Paintballing unternahm. Die international society bot Ausflüge nach Edinburgh und Liverpool an, bei denen wir auch mit an Bord waren.
Gelebt habe ich in der legendären Richardson Road, ein Studentenwohnheim der besonderen Art. Katha, meine Mitbewohnerin und ich konnten nur selten ungestört schlafen, da die “Freshers”, die den Großteil der Bewohner dort ausmacht, meinten sie müssten jeden Tag Party machen bis in die Puppen. Nichtsdestotrotz haben wir natürlich auch interessante Leute kennengelernt.
Mit unseren Freunden Whitney (eine Kanadierin) und Santiago (Bolivianer) haben wir mindestens zweimal die Woche etwas unternommen. Von Afternoontea im Vermont über Museumsbesuche und Strandausflüge war alles dabei.
Apropos Strandausflug. Newcastle upon Tyne liegt sehr nah an der rauhen Nordseeküste. In Tynemouth, wohin man in kurzer Zeit mit der Metro (dem stadteigenen U-Bahnnetz) fahren kann, bekommt man die besten Fish and Chips der gesamten Region. Außerdem gibt es dort jedes Wochenende einen sehr individuellen Flohmarkt, wo man z.B. Bücher für nur 50 Pence kaufen kann.
Mein Resumé ist: Ein Auslandssemester in Newcastle ist einfach nur zu empfehlen! Selten habe ich an einem Ort so viele nette und aufgeschlossene Menschen kennengelernt. Verständnisschwierigkeiten hatte ich von Beginn an keine, ein Zeichen dafür, dass die deutsche Schulbildung in englischer Sprache doch sehr gut ist. Thanks for that. Mit einem Wort, die 6 Monate, die ich in Newcastle erleben durfte: WICKED!!!!



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