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Erfahrungsbericht – Erasmus in Malmö
2010/2011
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Warum Malmö???
Eigentlich war mein Wunsch: Südfrankreich: Nizza. Nachdem aber die beiden Plätze dort bereits vergeben waren, empfahl mir Prof. Splieth Malmö. Ich hatte noch nie zuvor nachgedacht, nach Schweden zu gehen. Seine Argumente überzeugten mich nach einiger Bedenkzeit. Die hervorragende zahnmedizinische Ausbildung und die sehr guten Englischkenntnisse der Schweden konnte ich nach kurzer Zeit vor Ort ebenfalls bestätigen.
Vorbereitung
Nach meiner Entscheidung verlief alles reibungslos und gut organisiert. Sowohl die Gasthochschule als auch die Uni Greifswald und das akademische Auslandsamt kooperierten gut mit einander und halfen mir bei meiner Bewerbung und allen notwendigen Vorbereitungen.

Hafen in Malmö mit dem höchsten Turm: Turning Torso im Hintergrund

Turning Torso

Hafen in Malmö
Ankunft
Das Semester in Malmö begann im September. Um mich etwas einzuleben und auch einen kleinen Grundwortschatz in Schwedisch zu erlernen, fuhr ich schon Anfang August hin.

Hafen in Malmö mit Öresundbrücke nach Kopenhagen
Ich wohnte zunächst in einem Studentenwohnheim genannt: Sege Park. Leider war dieser Komplex etwas weiter draußen gelegen und sehr teuer. Das Internet funktionierte dort nicht und mein Zimmer im Erdgeschoss war so ungünstig gelegen, dass man reinschauen und bei offenem Fenster auch reinsteigen konnte. Da ich kein anderes Zimmer bekommen konnte, begab ich mich selbst auf Wohnungssuche, die sich als sehr schwierig herausstellte. In Malmö gibt es viel zu viel Studenten und nicht genügend Wohnungen, bzw. sehr überteuerte Wohnungen. Eine Wohnung in Malmö zu finden ist wie ein 5 er im Lotto. Nach langer Suche fand ich jedoch meine Traum-WG, in der Nähe von der Zahnklinik. Ich wohnte mit 2 schwedischen Medizinstudentinnen zusammen, mit denen ich in meiner Freizeit viel unternahm. Wir kochten, feierten gemeinsam und unternahmen Ausflüge nach Kopenhagen. Unsere Wohnung war nur etwa 40 min. von Dänemark: Kopenhagen entfernt.
Das Leben in der Zahnklinik-mein 2. Zuhause
Im September begann nun endlich die Arbeit in der Zahnklinik. Es gab neben mir noch eine andere Erasmusstudentin aus Prag. Wir beide mussten gleich zu Beginn eine Eingangsprüfung absolvieren, die sowohl praktische als auch theoretische Kenntnisse abverlangte. Wir wurden nach dieser Prüfung eingeschätzt und es wurde entschieden in welchem Semester wir studieren dürfen. Es ist nicht unüblich, dass Studenten einige Semester herunter gestuft werden. Ich durfte im selben Semester also im 9. Semester wie an der Uni Greifswald studieren. Alle Mitarbeiter der Malmö Högskola ob Studenten, Dozenten oder Schwestern haben mich herzlichst aufgenommen, mir geholfen und sich bis zum Schluss super um mich gekümmert. Ich habe mich dort sofort wohl gefühlt und mein Erasmussemester von da an jeden Tag genossen.
Die Arbeit in der Zahnklinik beginnt 8:15 und geht bis 17:00. In der Mittagspause von 12:00 bis 13:00 kann man sich das leckere Essen der Klinik schmecken lassen. Die Studenten im 9. Semester behandeln außer mittwochs jeden Tag. In der Rezeption darf man sich aus 2 großen Ordnern die Patienten heraussuchen, die man gern behandeln würde. Das heißt, man darf sich aussuchen ob, man eine Brücke, Prothese, Füllungen oder eine Implantatplanung machen möchte. Am Mittwoch treffen sich die Studenten, um in ihren Lerngruppen klinische Fälle zu besprechen, die nach 3 Wochen mit den Dozenten erneut ausgewertet werden. Da mein Schwedisch noch nicht so gut war, wurden die Seminare für mich fast immer in Englisch gehalten. Meine Kommilitonen haben sich dafür eingesetzt, dass die Diskussion mit den Dozenten in Englisch geführt wurde. Der Zusammenhalt und die Kameradschaft sind dort sehr groß. Besonders das Problem orientierte Lernen, die kleinen Gruppen (8-10 Studenten pro Gruppe) und die angenehme und entspannte Arbeitsatmosphäre zeichnen diese Schule aus.

Kate (Erasmusstudentin aus Prag) und ich (Erasmusstudentin aus Greifswald)

Rezeption in der Zahnklinik

Behandlung in der Zahnklinik
Beispiel für einen Behandlungsvormittag: Der Student sollte 8:00 da sein und bereits den Patientenfall im Computer geöffnet haben(es wird alles digital gespeichert). Der Dozent kommt vor Behandlungsbeginn vorbei, Schwierigkeiten werden durchgesprochen, der Student sagt was er plant und wo er gegebenenfalls Hilfe benötigt. Die Dozenten werden während der Behandlung nur dann gebeten zu kommen, wenn Unsicherheiten bestehen. Jeder Student behandelt allein. Jedoch stehen 3 engagierte Schwestern zur Verfügung, die jederzeit alles bereit stellen, vorbereiten, helfen und immer mitdenken. 10:30 sollte jeder Student seine Behandlungssitzung beenden, seinen Platz säubern und alles im Computer dokumentieren. Von 11:00 bis 12:00 findet nun die klinische Diskussionsrunde in Form von Problem orientierten Lernen statt, in der ein Spezialist aus dem jeweiligen Fachbereich anwesend ist (Konservist, Prothetiker, Chirurg, Spezialist für Radiologie). Hier werden dann besonders schwierige Fälle durchgesprochen. Der Student geht dabei nach vorn und stellt seinen Fall vor. Die Dozenten und Studenten werten gemeinsam den Fall aus. Es wird offen gesagt, wenn Fehler aufgetreten sind, so dass die anderen Studenten daraus lernen können. Die Dozenten diskutieren mit den Studenten den Fall auf der Grundlage ihres speziellen Wissens aus dem entsprechenden Fachbereich. Der Student lernt dabei von den Erfahrungen und dem Wissen der Dozenten. Jeder Student als auch Dozent kann Fragen stellen. Es ist jedem Studenten freigestellt, ob er seinen Fall vorstellen möchte. Wenn etwas besonders erfolgreich gelaufen ist, wird dies ebenfalls präsentiert. Sowohl kritische und lobende Bemerkungen werden ausgesprochen.

Links Assistent für konservierende Zahnheilkunde, rechts Chef der Prothetik
Freizeit
Da mir mein Training gefehlt hat, habe ich mich nach einem Tanzstudio umgesehen und nach einiger Zeit auch ein tolles Ballettstudio mit Profilehrern gefunden. Dort habe ich Jazz, Hip Hop und Klassisch getanzt. Mit meinen Freunden von der Uni habe ich noch Kurse im Fitnessstudio: Friskis und Svettis besucht. Sowohl mit anderen Erasmusstudenten als auch mit meinen Freunden von der Uni habe ich viel unternommen. Von unserer Klinik wurden viele Veranstaltungen organisiert. Jeden Freitag treffen sich die „Zahnis“ nach der Uni zur „after-clinical-hour“ in der Schulcafeteria. Dort unterhält man sich, kann sich ein Bier an der Bar bestellen, oder unternimmt danach noch etwas gemeinsam. Auch ein französischer Abend mit Käse, Wein, französischer Musik und Film gehörte zum Programm. Es standen auch zahlreiche Events wie ein Christmasbrunch, gemeinsame Fahrt nach Kopenhagen auf den größten Weihnachtsmarkt, ein Unikonzert oder das Ladys Dinner auf dem Programm. Beim Layds Dinner, eines der größten Ereignisse des Jahres, bereiten die Herren alles vor. Die Feier findet unter einem bestimmten Motto statt, wobei die Männer alles dekorieren und kochen. Die Frauen können sich entspannen und den Abend genießen. Auch die Fahrt nach Göteborg zum größten zahnmedizinischen Kongress gehört zu meinen schönsten Erfahrungen. Nicht nur die Expo, sondern auch die Stadt Göteborg hat mich sehr beeindruckt. Meine Freunde aus der Zahnklinik haben mich sofort in die Gemeinschaft integriert und das Vorurteil, dass Schweden distanziert und etwas kühl sind, kann ich so nicht bestätigen. Vielleicht sind sie anfangs etwas zurückhaltender, aber spätestens wenn man sie kennen gelernt hat, sind sie aufgeschlossen und können Freunde fürs Leben sein.

Lebkuchenhauswettbewerb in der Uni; Kate, Sara und ich haben den Turning Torso nachgebaut

Behandlungseinheit aus Lebkuchen gewann den 2. Platz


Dinner danach im königlichen Konferenzgebäude

Berühmtester Vergnügungspark in Göteborg
Fazit
Ich empfehle jedem ein Erasmussemester zu machen, um ein neues Land mit einer anderen Kultur und Sprache kennen zu lernen und seinen Horizont auf diese Art zu erweitern. Das ist eine Erfahrung für das gesamte Leben. So dunkel und kalt Schweden im Winter auch sein mag, die Leute und die exzellente Ausbildung in der Zahnmedizin machen nicht nur alles wett, sondern das Studium dort zu einer der schönsten Erfahrungen (m)eines Lebens!
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