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Hilfe auf der Ombili-Farm im Norden Namibias


Am 21. Juli 2009 begann unsere dreiwöchige Reise mit einem 10-stündigen Flug mit Air Namibia Richtung Süden. Weitere sechs Stunden Autofahrt von Windhoek aus mit unserem klapprigem Mietauto einem VW Golf 1 (richtig gelesen den gibt’s hier unten noch) erreichten wir endlich unser Ziel: das Gelände der Ombili- Stiftung im Norden Namibias. Das Wort „Ombili“ stammt aus der Ovambosprache und bedeutet „Frieden“, welchen die dort lebenden San (Buschmänner, die Ureinwohner des südlichen Afrikas) nach langen Buschkriegsjahren bis 1989 nun endlich auch finden sollen. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt die Stiftung die ca. 450 Sans, ihren ursprünglichen nomadischen Lebensstil, in dem die Jagd im Mittelpunkt stand, auf die „neuen“ westlichen Gegebenheiten mit regelmäßiger Farmarbeit oder verschiedenem Handwerk für den Tourismus umzustellen. Ein Prozess, der womöglich noch Jahrzehnte dauern wird, denn das Leben nach dem alten Motto „der Tag kommt, der Tag gibt“ steht in großem Gegensatz zu unserer heutigen Gesellschaft. Die San müssen lernen, vorausschauend Ackerbau und Viehzucht zu betreiben sowie mit Geld und privatem Besitz umzugehen.

Um auch den Kindern der San eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen wurden in Zusammenarbeit mit zahlreichen deutschen Förderern und der namibischen Regierung seit dem Jahr 1997 verschiedene Schulgebäude, Lehrerwohnungen, ein Schullandheim sowie weitere Ausbildungsstätten auf dem Gelände errichtet. So haben nunmehr 200 Kinder aus den Dörfern der San und den umliegenden Farmen die Möglichkeit der staatlich vorgeschriebenen Schulbildung. Bereits drei der dort schulpflichtigen Kinder haben bisher eine Ausbildung begonnen - ein wirklich sehr großer Erfolg für die Bemühungen der Stiftung.

In der aus drei kleinen Buschmann-Dörfern und der Farmverwaltung bestehenden Gemeinschaft fehlt jedoch jegliche medizinische Versorgung. Bei beispielsweise Zahnschmerzen sind die San gezwungen in die mehr als 90 km entfernte Stadt Tsumeb zu laufen um dort Hilfe zu erhalten, welche zumeist sehr teuer ist und Zahnextraktionen oftmals auch ohne Lokalanästhesie durchgeführt werden. Aus diesem Grund wird seit etwa fünf Jahren von einem norddeutschen Zahnarzt und Frau Dr. Berndt, Abteilung Prävention und Kinderzahnheilkunde der Zahnklinik der Universität Greifswald, der jährliche Besuch eines Zahnmedizinischen Dienstes organisiert. Diese Hilfe ist auch dringend nötig, da aufgrund der veränderten „westlichen“ Lebenssituation auch der Zuckerkonsum stark gestiegen ist und somit Karies ein zunehmendes Problem bei den Buschleuten darstellt. Gleichzeitig geht die traditionelle Mundhygiene mit Zahnpflegestäbchen (Miswak) allmählich verloren, ohne dass sich zugleich die westliche Methode mit Zahnbürste und Zahnpasta ausreichend durchsetzt. Aus diesem Grund war es unser Anliegen die durch Frau Dr. Berndt begonnenen Prophylaxemaßnahmen in dem Kindergarten und der Schule weiter zu etablieren. Daher flogen wir mit zahlreichen zahnmedizinischen Spenden aus Deutschland im Gepäck nach Namibia, um den „Ombili- Buschleuten“, insbesondere deren Kindern zu Helfen, wo wir nur können. Vor Ort gab es einen kleinen Behandlungsraum ausgestattet mit einer Liege, einem mobilen Behandlungskoffer und einem kleinen Schrank mit allerlei zahnmedizinischen Instrumenten. Während unseres Aufenthaltes auf Ombili konnten wir mehr als 218 Kinder des Kindergartens und der Schule im Alter von 2 bis 20 Jahren im Anschluss an eine Reihenuntersuchung prophylaktisch betreuen und mit ihnen das „Zähne-Putzen“ üben. Eine sehr große und auch wichtige Hilfe war uns Samuel, der sowohl die offizielle Amtssprache Englisch, außerdem das weit verbreitete Afrikaans und zwei der drei vor Ort gesprochenen Klick- Sprachen der San spricht. Wo Behandlungsbedarf bestand, kam ein Vermerk in die „Akte“, ein einfaches DinA4 Blatt welches für jedes Kind angelegt wurde und den bisherigen Behandlungsverlauf dokumentierte. In den 2 Kindergartengruppen erklärten wir an zwei kleinen Handpuppen mit Plastikgebiss wie und in welcher Reihenfolge man sich die Zähne putzt. Anschließend durfte jedes Kind die Zähne eines der beiden Kuscheltiere sowie seine eigenen Zähne putzen. Ein großer Spaß für alle! In den unteren Klassenstufen erklärten wir an einem Poster den Aufbau des Zahnes und was passiert, wenn man sich nicht die Zähne putzt. Anhand eines etwas größeren Zahnmodells zeigten wir dann die richtige Putztechnik für die jeweilige Altersstufe und gingen dann mit den Kindern in fünfer- Gruppen zum Zähneputzen. Dabei erhielt jedes Kind eine eigene Zahnbürste und einen Becher.

Und wenn mal in der „Zahnklinik“ nicht so viel los war, gab es auf dem Ombili-Gelände immer etwas zu helfen. So arbeiteten wir im neu eröffneten Kulturzentrum, in dem einerseits verschiedene von den Sans hergestellte Schnitzereien, geflochtene Körbe und anderes typisches Handwerk verkauft werden, andererseits aber auch touristische Führungen stattfinden. Außerdem halfen wir beim Austeilen von saurer Milch mit Zucker, einem Getränk welches die Kinder sehr liebten, und organisierten den Verkauf von gespendeten Kleidern an die San, bei dem sie unter anderem den Umgang mit Geld lernen sollen.

Allein diese Erfahrungen machen Namibia und besonders der Besuch der Ombili-Stiftung eine Reise wert.

An den Wochenenden und auf der Rückfahrt nach Windhoek haben wir uns die „nähere Umgebung“ der Farm angesehen. Das Stiftungsgelände liegt lediglich eine Fahrstunde von einem der schönsten Nationalparks im südlichen Afrika - dem Etosha Nationalpark entfernt.

Neben den zahlreichen tollen Erlebnissen wie beispielsweise der zufällig erlebte deutsche Karneval in Tsumeb, das Quadfahren durch die nördliche Namib-Wüste oder die vielen zoologischen und botanischen Highlights (Baobabs, Welwitchia mirabilis, und vieles mehr), zählte dennoch das einfache Leben auf der Ombili-Farm zu den beeindruckensten Dingen unserer Reise.

Dana Stumpf & Marco Pechmann

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letzte Änderung
21.11.2011