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Nice, Côte d‘ Azur
Ankunft
Als ich Anfang September in Nizza ankam, empfing mich noch schönstes Hochsommerwetter. Leider konnte ich das die ersten Tage nicht so richtig genießen, da erstens 'Air France' mein Gepäck in Paris vergessen hatte und es zweitens am Anfang recht viel zu organisieren gab.
Den ersten Tag habe ich vollständig damit verbracht mein Zimmer im Wohnheim 'Montebello' zu beziehen; und das geht ungefähr so:
Man stelle sich mit geschätzten 150 anderen Studenten beim CROUS (eine Verwaltung für Wohnheime und noch ganz viele andere Sachen) an und wartet bis man vorsprechen darf. Soweit vom Heimatland aus alle Formulare richtig ausgefüllt und auch in Nizza angekommen sind sollte ein Wohnheimplatz reserviert sein. Bevor man aber zum Wohnheim fahren darf, muss noch bei einer Versicherung ein paar Straßen weiter das Wohnheimzimmer versichert werden. Dann wieder zurück zum CROUS, fünf mal hier und da unterschreiben und endlich los zum Wohnheim. Dort angekommen wartet man auch wieder, gibt einige seiner mittlerweile zur Neige gehenden Passbilder ab, füllt ein paar Formulare aus und unterschreibt alles. Mit der Unterschrift versichere ich auch gleichzeitig, dass ich alles verstanden habe… Wer’s glaubt…
Endlich darf ich ins Zimmer, zu meiner Freude ein Zweibettzimmer mit Dusche, WC, Kühlschrank und Waschbecken!
Wie ich zu meinem Studentenausweis gekommen bin lasse ich aus Platzgründen aus, nur soviel sei gesagt: Es gilt eine Bürokratie ähnlicher Ausmaße wie die Deutsche zu besiegen, aber unorganisierter. Aber keine Angst: wenn erst einmal alles läuft, ist die Côte d’Azur ein schönes Fleckchen Erde zum leben.
Die Côte d’Azur
Die ganze Küste entlang hat das Meer eine unglaublich schöne blaue Farbe. Man kann noch bis Ende Oktober ins Wasser und badet förmlich in einem blauen Farbtopf. Einfach herrlich, aber nicht genug: Die Küste ist zum großen Teil sehr steil und etwas erhaben, so dass sich zahlreiche schöne Aussichtspunkte und Picknick Plätze anfinden. Fährt man eine gute halbe Stunde nach Westen ist man hinter Monaco in Italien; und Richtung Osten vorbei an Antibes und Cannes an der Côte Esterel. Hier wechselt das Küstengestein seine Farbe von hellgrau zu rot, wodurch das Blau des Meeres noch intensiver leuchtet. Da Ausläufer der Alpen direkt an die Küste angrenzen gibt es zahlreiche, wunderschöne Wanderrouten mit Panoramablick und malerischen Bergdörfern umgeben von Olivenhainen und Obstbäumen.
Nicht nur die landschaftliche Schönheit sondern auch das milde Klima zieht viele Menschen an die Côte d’Azur, so dass die Region dicht besiedelt ist. Von einem Berg aus betrachtet lassen sich keine Stadtgrenzen mehr ausmachen und es beschleicht einen das Gefühl, es gäbe nur eine einzige große Stadt entlang der Küste. Morgens und abends ist das Sonnenlicht besonders schön, und das inspirierte auch viele Maler, wie beispielsweise Renoir oder Picasso.
Sollte das Wetter mal nicht so schön sein ist das noch kein Grund zu Hause zu bleiben, in Nizza und Umgebung befinden sich zahlreiche sehenswerte Museen die meist keinen Eintritt kosten.
Nizza
Nizza, Nice oder auch Nissa wurde im 4. Jhdt. vor Christus als Nikaia gegründet. Danach wechselten die Herrscher oder Besatzer der Stadt häufig, so dass man auch heute noch Merkmale aus verschiedensten Kulturen entdecken kann. Die Altstadt mit ihren zahlreichen kleinen Gassen und bunten Häusern ist typisch mediterran und erinnert an Italien. Kleider hängen zum Trocknen an Leinen, die über der Gasse zwischen den Häusern gespannt sind, Hunde streunen, und viele alte sowie junge Franzosen sitzen beim Café mit einer Zigarette und unterhalten sich in größter Gemütlichkeit. Abends öffnen dann zahlreiche Clubs und Pubs und laden viele Partylustige zum Feiern ein. Es ist kein Kunststück, stundenlang durch das Gewirr der kleinen Gassen zu irren und immer etwas neues Spannendes oder Lustiges zu entdecken. Am Südlichen Ende der Altstadt befindet sich der alte Marktplatz (Cours Salaya) auf dem tagsüber ein französischer Markt stattfindet. Abends machen die Marktstände Tischen und Stühlen von angrenzenden Restaurants Platz und man hat das Gefühl der ganze Markt hat sich in ein einziges großes Restaurant verwandelt - durchbrochen von den üblichen Touristengeschäften.
Hinter dem Markt befindet sich die berühmte 'Promenade des Anglais', die zusammen mit dem Strand das südliche Ende der gesamten Stadt bildet. Sie erstreckt sich vom Hafen aus bis zum Flughafen auf einer Länge von 5 km. Hier sieht man beinahe zu jeder Zeit Spaziergänger, Touristen, Artisten, Jogger, Rollerskater oder Leute, die sich auf Bänken und Stühlen sonnen oder Zeitung lesen.
Das Essen in der Provence
Wer gerne Käse, Pastete oder französische Salami mag ist in Frankreich generell gut aufgehoben. Besonders erwähnenswert ist zudem das provencialische Gemüse und Obst. Verwöhnt vom Klima entwickeln Trauben, Äpfel, Melonen oder Tomaten ungeahnt volle Aromen. Am besten kauft man sein Obst und Gemüse wie richtige Franzosen auf dem Markt und riecht erst einmal an allem bevor es im Korb landet. Auf den Märkten gibt es nicht nur Obst und Gemüse, frische Pasta, Wachteln und jede erdenkliche Geflügelart, auch große Käsestände reihen sich neben Metzgerei- oder Olivenständen ein.
Ein besonderes Erlebnis ist es, sich die mit großer Auswahl bestückten Fisch- und Meeresfrüchteauslagen anzuschauen. Hier findet man Krabben, Austern, Tintenfische, Muscheln, Meeresschnecken, Thunfische und vieles mehr. Beim Betrachten der Auslagen kommen einem als Deutscher schon mal Fragen auf… „Was kann man an einem Seeigel eigentlich essen?“ Grundsätzlich wird hier wunderbar gegessen, ein bisschen Ausprobieren gehört aber schon dazu. Als Wein zum Essen empfehle ich einen typischen 'Côte du Provence Rosé'.
Die Zahnklinik
Da war ja noch was… das Studium der Zahnmedizin:
An meinem ersten Tag wurde ich von Monsieur Medioni ganz herzlich empfangen und allen Studenten, Ärzten und Professoren vorgestellt. Mit den Assistenten ist man hier per du, bei den Profs sagt man <<vous>>. Der Behandlungskurs findet im Hospital "St. Roch" ambulant in einer zahnmedizinischen Abteilung statt. Vorlesungen oder eventuelle Phantomkurse hört man an der Faculté (Fac). Diese befindet sich 3 Bahnhaltestellen weiter vom Krankenhaus und ist Teil eines großen Unigebäudekomplexes, in dem auch Geisteswissenschaftler untergebracht sind. So hat man montags und donnerstags Vorlesungen und den Rest der Woche behandelt man im Krankenhaus, in dem es nicht an Patienten mangelt.
Der Behandlungskurs gliedert sich in Dienste (vacation):
OCE:
Hier hat man die Möglichkeit wie im Integrierten Kurs zu behandeln und regelt die Termine selbst. Es stehen 6 Stunden pro Woche und Binome (Stuhlpartner) zur Verfügung.
Paro / Chirurgie / Pedo / Notdienst (Urgence) / Ortho:
Bei diesen Diensten arbeiten die Studenten ganz normal im Krankenhausbetrieb mit. Die Termine werden von den Schwestern vergeben und, wenn Patienten da sind, wird einfach behandelt.
Chirurgie:
Meistens werden Zähne gezogen.
Paro:
Zahnreinigungen, Deep Scaling, Befundung
Pedo:
Kinderbehandlungen, immer unter Kofferdam! Auch bei 3-jährigen!
Ortho:
Fallbesprechungen, Brackets kleben oder entfernen
Notdienst:
Schmerzen beseitigen!
Jeder Student hat 2-3 dieser Dienste (jeweils 3 Stunden) pro Woche. Damit diese Dienste gerecht verteilt sind, wechseln sie nach einigen Wochen und werden deshalb „Vacations tournantes“ genannt, so hat man mal alles mal gemacht.
In der Zahnklinik befinden sich auch 2 OPs, in denen fleißig operiert wird. Als Austauschstudent ist man zudem immer herzlich eingeladen zuzuschauen und Fragen zu stellen. So habe ich vielen interessanten zahnärztlichen Operationen wie Sinuslifts, Augmentationen oder Multiimplantationen beiwohnen dürfen. An einem langen Tag ist man dann von 8:30 Uhr bis 19:00 Uhr im Krankenhaus. Aber keine Angst, es geht doch recht gemütlich zu und 90 Minuten Mittagspause bieten genügend Zeit zum Erholen. Zudem beschränkt sich die Laborarbeit auf Modelle herstellen und einartikulieren.
Im Gegensatz zu Deutschland wird auch im Krankenhaus oft gestreikt. So kam es, dass innerhalb der ersten 2 Monate 2 Wochen lang jeder Behandlungskurs ausfiel. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass nicht immer alle Materialien da sind, die man braucht und etwas Improvisationskunst gefragt ist. Die Arbeitsmaterialien (Winkelstücke, Composite, … alles) werden außerdem bei einer zentralen Materialausgabe/Sterilisation abgeholt, das heißt es muss vor jeder Behandlung genau nachgedacht werden, was gebraucht wird, sonst muss man die Behandlung unterbrechen und sich erneut anstellen. Das kann bei Zeitdruck und in Frankreich ganz schön lange dauern!
Rückblickend bleibt zu sagen, dass ich hier viele Sachen gesehen und gelernt habe; aus zahnmedizinischer Sicht bin ich froh, ein Semester in Nizza studiert zu haben.
Dank der vielen Bekanntschaften, netten Franzosen, Erasmusstudenten aus der ganzen Welt und der unglaublich lebenswerten Umgebung an der Côte d’Azur, war mein Leben außerhalb der Klinik einfach super und ich hoffe, in Zukunft noch viele Male als Besucher in Nizza empfangen zu werden.
Checkliste / Was man als Zahni mitnehmen sollte:
- 10 Passbilder
- Großes und kleines Wachsmesser
- Le Cron oder Hyelin
- Gipsmesser und -fräse
Bissouz Christoph
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