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Einleitung
Nach einigen Vorbereitungen, Gesprächen und Formularen konnte mein einzigartiges Auslandsjahr Mitte August 2008 beginnen. Per Fähre bin ich von Rostock nach Helsinki gereist und mit zwei Nächten im Ruhesessel in den Gliedern- völlig übermüdet - bei meinem HOAS-Appartement in Kannelmäki angekommen. Von den Vorgängern war die Wohnung, insbesondere die Küche, noch sehr gut ausgestattet. Dort sollte ich für das Wintersemester in einer typischen Erasmus-WG mit einem Italiener und einem Franzosen wohnen. Wir kamen ausgezeichnet miteinander aus. Das Erlebnis konnte beginnen...
UNI
Die Einführungswoche war gut organisiert, und bot vor allem die Möglichkeit andere Erasmus-Studenten kennen zu lernen. Für uns Minderheit von drei Zahnmedizinstudenten unter den ungefähr tausend Austauschstudenten gab es in diesem Semester allerdings keinen eigenen Tutor, doch für Organisatorisches, wie die Anmeldung des Wohnsitzes bei der Polizei sowie beim Amt um anschließend die Nahverkehrskarte der HKL zu bekommen, war dies im Endeffekt auch nicht wichtig.
Im Institut für Zahnmedizin, d.h. in der Zahnklinik der Universität Helsinki gibt es einen Koordinator sowie eine Sekretärin im Studiensekretariat, die sich um die Angelegenheiten der ausländischen Studenten kümmern. In der Regel läuft ein Austausch in der Fakultät der Zahnmedizin nicht länger als 4 Monate, in sofern war mein Anliegen ein gesamtes Jahr an der Universität zu verbringen von vornherein außergewöhnlich und erforderte einige zusätzliche Gespräche mit den Verantwortlichen. Da ich zu Beginn meines vierten Studienjahres noch keine eigene klinische Tätigkeit an der Uni in Greifswald vorzuweisen hatte, verzögerte sich mein klinischer Start. Ich musste erneut im Phantomkurs meine Fähigkeiten unter Beweis stellen, obwohl ich keine 4 Wochen vorher in Greifwald den entsprechenden Phantomkurs-Schein erlangte. Außerdem wurde entschieden, dass ich mit den finnischen Drittjahres-Studenten die Klinik beginnen sollte, und nicht wie normalerweise üblich vom klinischen Koordinator individuell betreut werde. Zum Jahreswechsel sollte sich dieses ändern, denn offiziell war ich dann dem 4. Studienjahr angegliedert, aber in der Praxis wurde ich fast ausschließlich von meinem klinischen Koordinator betreut. So begann ich mit klinischen Tätigkeiten nach drei Monaten Wartezeit, in der ich verschiedene Krankenhäuser in Helsinki besucht habe um einen besseren Einblick in das finnische Gesundheitssystem zu gewinnen; Ich verbrachte einige Tage in der chirurgischen Klinik, dem Kinderkrankenhaus, in diversen Gesundheitszentren und dem Spaltzentrum. Zu Beginn arbeitete ich wie die finnischen Studenten mit Stuhlpartner; nahmen Erstbefunde auf und führten Parodontalbehandlungen durch. Nach dem Jahreswechsel begann ich mit der restaurativen Behandlung und arbeitete in der Regel allein, so wie die Studenten den 4. Studienjahres.
Ich dachte, dass in Finnland die englische Sprache im universitären Alltag eine große Rolle spielt, doch trifft dies nur teilweise zu. Obwohl eine große Auswahl an Lehrbüchern auf Englisch vorzufinden ist, ist der Lehrbetrieb nur auf Finnisch, d.h die Vorlesungen, Seminare, und klinischen Kurse. Bei den klinischen Kursen und Kleingruppen-Seminaren ist die Möglichkeit vorhanden auf englisch Zwischenfragen zu stellen, allerdings ist es auch unangenehm dauernd die Dozenten zu unterbrechen. Im Gegensatz dazu wird für die Erasmus-Medizin-Studenten ein eigener Kurs auf englisch angeboten, sowohl besteht für Medizinstudenten die Möglichkeit auch auf schwedisch zu studieren.
Ich habe in den ersten Monaten viel Energie und (Frei-)Zeit geopfert die finnische Sprache zu erlernen, so dass es mir im Frühlingssemester möglich war den Einstiegskurs in die Kieferorthopädie, den Mikrobiologiekurs, den Zahnextraktionskurs sowie den Kurs der klinischen Chemie zu besuchen und abzuschließen. Die theoretischen Anteile der Prüfungen durfte ich auf englisch ablegen.
Einige Wochen vor Studienjahresende sollten die Zertifikate/ Bescheinigungen angefordert werden. Während des gesamten Jahres habe ich ständig Unterschriften für jede Tätigkeit gesammelt, und zurück in Greifswald werde ich sehen, welche meiner Leistungen anerkannt werden. Obwohl ein Großteil sicherlich anerkannt wird, ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass ich an der EMAU das 4. Studienjahr wiederholen werde.
WOHNUNG
Der Wohnungsmarkt in Helsinki ist vor allem zum September relativ schwierig und Finnische Studenten sind bereit viel Geld für ihr eigenes Appartement zu bezahlen. Ohne Finnischkenntnisse scheint es fast unmöglich an eine günstigere Wohnung zu kommen, außer über HOAS. Allerdings ist deren Angebot für Erasmus-Studenten sehr teuer: 370e für ein möbliertes Zimmer in einer 3er WG. Die Ein-Zimmer-Wohnungen in der Innenstadt sind zum Teil günstiger oder viel teurer, denn das Schwierige ist, dass es keine einheitlichen Angebote zu geben scheint. Die Preis-Leistungs-Verhältnisse variieren extrem.
Zur zweiten Hälfte meines Austausches konnte ich über Hämäläis-Osakunta, das ist die größte ‘Studentenverbindung’ in Finnland, ein Zimmer in Pohjois-Haaga in einer 3er WG beziehen, was mich alles inklusive nur 150e pro Monat kostete. Die Zahnklinik war somit noch besser zu erreichen als zuvor, denn per Bus dauert es nur 10 Minuten. Bis in die Innenstadt dauert es 20 Minuten. Man sollte hinzufügen; in Finnland hat jedes Studentenwohnheim eine eigene Sauna und oft auch gemütliche Gemeinschaftsräume.
REISEN
Verkehrstechnisch ist Helsinki vorzüglich angebunden. So konnte ich während meiner fast 10 Monate außergewöhnliche Reisen nach Stockholm, Tallinn, Riga, St. Petersburg, Moskau, und innerhalb Finnlands unter anderem nach Turku, Povoo, Tampere und Lappland unternehmen. Per Schiff kann man je nach Angebot sehr günstig nach Stockholm und Tallinn reisen, sowie nach Riga und neuerdings auch nach St. Pertersburg. Busse und Züge sind sehr zuverlässig und für Studenten recht preiswert. In finnischen Reisebüros kann man schnell (ca. 7 Tage) und günstig (40-60e) ein Visum für Russland erhalten, und per Bus vom Busbahnhof in Kamppi oder per Zug nach St. Petersburg reisen.
Für Erasmus-Studenten werden preiswerte Komplett-Reisen angeboten. Ich selbst bin meistens alleine gereist und hatte die einzigartige Möglichkeit bei Bekannten von Freunden zu übernachten. Unvergessen bleibt die Reise nach Russland wo ich bei zwei russischen Familien meinen Urlaub verbringen durfte.
Kultur, Sprache und Freizeit
Als Erasmus-Student sollte man sich vorher überlegen, wie stark man versuchen möchte Land und Leute kennen zu lernen, die relativ passiv im sozialen Kontakt sind, sowie eine Sprache zu erlernen, die selbst die Finnen nicht mit dir sprechen, wenn du ihre Sprache schon einigermaßen beherrscht. Sie selbst sprechen mit Ausländern lieber Englisch, weil sie ihre eigenen sprachlichen Fähigkeiten verbessern wollen oder um höflich zu sein. Trotzdem ist es möglich in diese Welt einzutauchen, schließlich ist die Sprache der Schlüssel zur Kultur. Dies erfordert jedoch enorme Initiative, man selbst muss den ersten Schritt auf Finnen zugehen.
Wer einen näheren Einblick in das finnische Leben gewinnen möchte, sollte einem Chor (z.B HOL, POL, EOL) beitreten oder einem Sportverein/Uni-Sport. Sehr zu empfehlen ist außerdem ein Alice-Sprachtandem; bei individuellen regelmäßigen Treffen wird miteinander in der jeweiligen Muttersprache des Anderen kommuniziert. In meinem Fall trafen wir uns wöchentlich und unterhielten uns jedes Mal ungefähr 30 Minuten auf finnisch und im Anschluss die gleiche Zeit auf deutsch.
Internet, Handy, Sauna, Wintersport spielen eine zentrale Rolle im finnischen Alltag, bei keiner anderen Aktivität, außer vielleicht im angetrunkenen Zustand, sind Finnen so kommunikativ.
Das musikalische Angebot vor allem an klassischer Musik in Helsinki (Oper, Finlandia-Talo, Sibelius-Akatemia, Chöre) ist sehr vielseitig. Im Winter ist jedem zu empfehlen sich Schlittschuhe anzuschaffen, da es in jedem Stadtviertel Schlittschuhbahnen zur freien Benutzung gibt. Für Schwimmliebhaber bietet das Schwimmbad in Yrjönkatu ein ganz besonderes Flair.
Zum Schluss
Mir ist bewusst, dass ich mit diesem kurzen Bericht nur einen groben Überblick geben kann über mein ERASMUS-Erlebnis, deshalb noch ein paar abschließende Worte.
Ich wollte ein kleines Abenteuer erleben, die Welt sehen und mich selbst besser kennen lernen. Diese Erwartungen haben sich eindeutig erfüllt. Ich kann jedem, der mit dem Gedanken spielt im Ausland zu studieren, dies nur empfehlen. ERASMUS wird eine prägende unvergessliche Erfahrung der Studienzeit sein, und auf lange Sicht Europa Schritt für Schritt zusammen führen. Ich wünsche jedem den Mut dieses Projekt anzupacken, das Durchhaltevermögen kleinere und größere Hindernisse zu meistern und die Offenheit für Neues um diesen Austausch zu genießen.
ANHANG:
Fragen, Rückmeldungen oder Anmerkungen, egal ob zu Organisatorischem, zur Wohnungssuche oder Persönlichem jederzeit bitte an:
julian.schmoeckel@yahoo.de
TIPPS
- LyyraCard (diesen Studentenausweis sollte man am besten schon vorher beantragen, dafür muss man seine Studentennummer ausfindig machen) http://portaali.lyyra.fi/
- Handy mitnehmen und vor Ort eine Prepaid-Karte (Saunalahti) im R-Kioski kaufen.
- finnisches Bankkonto (NORDEA) eröffnen, bzw. Internet-Banking bei seiner eigenen Bank besitzen
- Anschaffung einer neuen Email-Adresse für Finnland, oder benutze die dir zugewiesene Email-Adresse: vorname.nachname@helsinki.fi
- gut und günstig einkaufen bei LIDL
- günstig essen in einem der UniCafe’s
- sich nicht von HOAS abzocken lassen (HOAS hat auch unmöbilierte Zimmer für ca 200e) oder/und sich rechtzeitig bewerben bei z.B. Hämäläis-Osakunta oder informieren auf eine der Webpages.
- werdet Mitglied/ nehmt Teil am Leben in finnischen Studentenverbindungen (Osakunta)
- besucht ein Studentenmusical ‘Speksi’ (z.B von LKS, Thorax,...)
- besucht folgende besondere Parties: SitSit, Pikkujoulu,Vuosijuhlat,
Nützliche und wichtige Webpages:
Übersetzer: http://translate.google.com/
WOHNUNG
HOAS
Hämaläis-Osakunta
HYY-Housing
UNI
UNI- Helsinki: http://www.helsinki.fi/yliopisto/
ZM-Studis in Hki (Kurspläne:opiskelu,H3/4/5 lukujärjestys)
UNI-Weboodi
UNI-essen
UNI-Sport
Studentenkarte
UNI-Bibliothek
VERKEHR
Helsinki Nahverkehr
Busreisen
Züge
Fähren
http://www.eckeroline.fi/
http://www.vikingline.fi
http://www.tallinksilja.com/
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