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Auslandssemester in Malmö, Schweden
Auslandssemester von September bis Dezember 2006

Teil 1 | Teil 2


Erstmal ein wenig allgemeines: Die Klinik liegt in einem Klinikkomplex und ist riesig. Keine Ahnung was in all den Räumen ist. Sie nehmen wie wir einmal im Jahr ca. 40 Zahnmedizinstudenten an, es kommen aber noch Zahntechniker und Hygieneschwestern hinzu. Diese Abschlüsse sind hier ebenfalls universitär.



Die Klinik wird gerade neu saniert. Der Großteil des Gebäudes strahlt schon wieder im neuen Glanz. Die Zahnklinik verfügt u. a. über eine eigene Bibliothek mit Lernstudio (mit Anatomischen Präparaten etc.), Ruheraum, Scanner, Kopierern, viel Fach- und auch Referenzliteratur für wissenschaftliche Arbeiten, mehreren Computern mit Internetzugang. Die Klinik enthält auch eine Cafeteria, in der man mittags warm essen kann.


Mein Wohnheim: Sommarstaden ist zum Glück nicht weit entfernt, so brauche ich morgens nur 5 Minuten mit dem Fahrrad. Es ist neu saniert worden und sehr nett. Leider ist es dafür auch nicht gerade preiswert (ca. 360 Euro). Da hier die Küche im Zimmer ist, anders als in den anderen Wohnheimen, sind Kennenlernen, Gespräche, Kontaktaufnahme etwas schwieriger. Die anderen Wohnheime heißen Rönnen, University Island und Celsusgarden. Hier wohnt man in 4er WGs oder in eigenen Zimmern mit Bad bei gemeinsamer Küchennutzung. Diese Wohnheime sind oft etwas preisgünstiger.


Die Malmöer Zahnklinik ist die einzige der 4 schwedischen Kliniken, welche die Lehre nach den POL-Prinzipien  ausgerichtet hat. Das Semester ist in Seminargruppen (ca. 8 Studenten) organisiert, welche jedes Semester neu gemischt werden. Mit dieser Gruppe nimmt man dann an allen Veranstaltungen teil. Man behandelt in dieser Gruppe, hat seine POL-Seminare. Die anderen Seminargruppen haben die gleichen Lernveranstaltungen, allerdings zu anderen Zeiten.

Malmö: Die Stadt ist mit seinen ca. 250.000 Einwohnern nach Stockholm und Göteborg die drittgrößte des Landes. Stellt man sich unter Schweden eher rote Häuser, Wälder, Seen vor, so wird man überrascht. Malmö ist eine lebendige Großstadt mit viel Kultur, Musik, Nachtleben und Kunst. Der südliche Teil Schwedens, Schonen, ist dicht besiedelt, landwirtschaftlich stark genutzt und reich an Sehenswertem. Möchte man das Schweden der Reisekataloge, Michels und Pippis sehen, dann muss man noch ein wenig in Richtung Norden reisen.

Sprache: Bevor das eigentliche Semester losgeht, werden 3 Wochen Intensivsprachkurs angeboten.  Danach läuft im Semester bei Bedarf ein weiterer. Die schwedische Sprache ist der deutschen ziemlich ähnlich und man macht schnell Fortschritte. Es ist dennoch ganz gut bereits in Deutschland einen Sprachkurs zu machen, wenn man sich für Schweden entscheidet. Das ist aber nicht zwingend notwendig, ich kam hier auch ohne Vorkenntnisse an und komme gut zurecht. Es ist allerdings schwer den auf Schwedisch stattfindenden POL-Seminaren und den Seminaren nach der Behandlung zu folgen. Man kann aber jederzeit fragen und die Mitstudenten übersetzen einem auch gern.

Die Schweden sprechen ein phantastisches Englisch und die Klinik versucht einen mit englischsprachigen Patienten zu versorgen.

Die ersten 3 Wochen: Bevor man anfängt gibt´s für alle Erasmusstudenten der Uni (etwas mehr als 100) ein Einführungsprogramm in dem sich rührend um einen gekümmert wird. Es enthält neben dem Sprachkurs u. a. eine Tour nach Lund, zu den Sehenswürdigkeiten der Südküste, jede Menge Orientierungsveranstaltungen (auf keinen Fall „Sweden and the Swedes“ und „Impressions of Sweden and the Swedes from a foreigner´s point of view“ verpassen), verschiedene Partys, eine „Dinner and Diploma Ceremony“ nach dem Sprachkurs und und und.

Montag: Früh aufstehen, viertel vor acht auf´s Fahrrad, denn um 8.00 Uhr geht es in der Klinik los. Hoffentlich hab ich an die Zugangskarte gedacht. Ohne sie kann man sich in der Zahnklinik nur mit fremder Hilfe bewegen und wer wartet schon gern an jeder Tür bis jemand einem öffnet.

8.00 Uhr Prothetik: Für 8.30 Uhr sind die Patienten bestellt. Diese bekommt man von der Klinik gestellt. Die spätere Terminvergabe regelt man mit dem Patienten. Da es Wartelisten für die Patienten gibt, kommen Patientenengpässe praktisch nicht vor.

Kommt der Patient zum ersten Mal in die Klinik, wird er in der Aufnahme erstmal eine „01“ durchgeführt und je nach Bedarf bekommt er dann Überweisungen zu den einzelnen Abteilungen (Kariologie, Parodontologie, Endo, Prothetik, Gebissphysiologie, Chirurgie, Kinderabteilung).

Man sucht sich also morgens eine der Behandlungsboxen, fährt seinen Computer hoch, loggt sich ein und öffnet Patientendaten und Terminplaner. Die Assistenzärztin geht herum und bespricht mit jedem seinen Plan für den jeweiligen Tag, geht Probleme durch, beantwortet Fragen. Das gleiche Prozedere findet in jedem Fachbereich vor der Behandlung statt.

Sitzt der Patient erst einmal auf dem Stuhl, dann ist man auf sich allein gestellt. Klingt dramatischer als es ist, aber für mich assistenzverwöhnten Behandler war es schon eine  Umgewöhnung. Sollte man in seiner Behandlung etwas durchführen, was unbedingt einer Assistenz bedarf, dann hilft einem die Kursschwester natürlich gern. Anwesenheit ist Pflicht, auch wenn man keinen Patienten hat oder dieser nicht erscheint. So assistiert man sich auch viel gegenseitig. Gearbeitet wird im Traysystem, die anderen Dinge holt man sich entweder selbst oder die Schwester bringt sie. Die Behandlungszeit dauert bis 10.30 Uhr, in Ausnahmefällen bis 11.00 Uhr. Benötigt man den Rat des Assistenzarztes, dann trägt man sich auf einer Tafel ein, die von ihm Stück für Stück abgearbeitet wird.

Bis 11.00 Uhr haben dann alle Zeit, um ihren Stuhl zu reinigen und ihre Akteneintragungen im Computer zu machen. Der Assistenzarzt unterschreibt anschließend elektronisch die Karteien und dann geht es in den Seminarraum. Dort wird eine Stunde lang ein Seminar zu einem bestimmten Thema gehalten. Sind interessante Patientenfälle im Kurs gewesen oder gab es Probleme/Fragen, ist das die Chance sie zu besprechen bzw. zu klären.

Der Nachmittag ist für das Selbststudium vorgesehen.

Dienstag: Am Dienstag geht es um 13.00 Uhr mit Gebissphysiologie weiter nachdem der Vormittag erneut für´s Selbststudium vorgesehen ist. In diesem Fach behandelt man alle Schmerzen, die mit dem Kiefergelenk und der Kaumuskulatur zusammenhängen. Während meine Mitstudenten in diesem Semester in Prothetik und Endo bereits im 2. klinischen Semester sind, ist dieses Fach neu und so sind die ersten Wochen rein theoretisch. Diagnostik wie Palpation, Inspektion etc. übt man an sich gegenseitig. Erst nach 8 Wochen und einem kleinen Test geht es auch hier mit der Patientenbehandlung los. Die Schienen werden, wie auch sonst sämtliche zahntechnische Arbeiten, in Laboren gefertigt. Auch hier ist wie nach jeder klinischen Behandlungseinheit eine Stunde Seminar im Anschluss angesetzt.

Mittwoch: Dieser Tag ist der einzige Vorlesungstag. Hier ist am Nachmittag eine Veranstaltung zu einem im Moment im Kurs relevanten Thema. Die Vorlesung ist meist auf Schwedisch, dafür muss man also in der Sprache schon ziemlich bewandert sein.

Donnerstag: Das ist der Tag an dem vormittags ein Seminar zum Problem orientierten Lernen stattfindet. Jeden Donnerstag trifft sich die Seminargruppe und trägt ihre Ergebnisse zu den zu klärenden Fragen des Falls der letzten Woche zusammen. Die Systematik ist der unseren in den POL-Veranstaltungen der ersten Semester identisch. Jede Woche gibt es einen neuen Fall, ausgearbeitet von den einzelnen Fachrichtungen. Diese Patientenfälle enthalten dann die Probleme, die zur nächsten Woche durch Literaturrecherche gelöst werden sollen. Anhand dieser Fälle werden sämtliche fachlich relevanten Dinge im Laufe der Jahre angesprochen und die Studenten müssen sich schlau machen. Gerät die Unterhaltung in eine Sackgasse oder in die falsche Richtung, dann sitzt hinten im Raum ein Arzt, der eingreifen kann. Jede Woche ist einer der Gruppe Diskussionsleiter und ein zweiter Schreiber. Diese Posten werden jede Woche neu verteilt, so dass jeder dieses verantwortungsvolle Amt einmal innehaben darf.

Am Ende jedes Seminars wird  die Woche, d.h. jede Behandlungseinheit und Theorieeinheit, durch die Studenten evaluiert. Evaluation wird hier sowieso groß geschrieben. Nachdem z.B. in Endo ein Patient fertig behandelt wurde, füllt der Student ein Evaluationsblatt aus. Es ist mehr für ihn selbst um sich klar zu machen, was gut lief und was verbesserungswürdig war.

Freitag: Vormittags hab ich Endo. Auch hier findet eine halbe Stunde vor Erscheinen des Patienten ein Gespräch statt. Der Stellenwert von Hygiene ist hier besonders hoch, so wird der Kofferdam nach Anlegen noch mal mit hochkonzentriertem H2O2 und Chlorhexidin desinfiziert. Digitales Röntgen an jeder Einheit sorgt für eine enorme Zeitersparnis.

Da es auch in Endo lange Wartelisten gibt, sind die Patienten sehr froh, behandelt zu werden. Mit meiner Ärztin in diesem Fach hatte ich ebenfalls Glück, spornte sie mich doch immer wieder an neue Methoden anzuwenden. In den Gesprächen mit ihr lernte ich sehr viel Neues.

Am Nachmittag habe ich dann zum zweiten Mal in der Woche Prothetik. Montag und Freitag ist jeweils eine andere Ärztin zuständig, der Ablauf unterscheidet sich nicht.

Am Anfang des Semesters musste ich in Prothetik eine kleine Präparationsübung an Kunststoffzähnen vorlegen, nichts weiter Schlimmes. Der Phantomkursraum war noch nicht fertig renoviert, so machte ich diese Übung an einer Einheit. Der nun fertige Phantomraum hat genau die gleichen KaVo-Dummies, stellt von daher keine große Umstellung dar.

Danach versucht man englisch sprechende Patienten zu organisieren.

Ich hatte Glück, denn im gesamten Semester betreute ich sehr interessante Patientenfälle.

















letzte Änderung
01.03.2012