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So, hier wie versprochen Teil 2 meines Berichts:
Es gibt in Nizza diverse Krankhäuser, für die Zahnis sind jedoch nur zwei wichtige zu erwähnen, nämlich St. Roch und LENVAL. Im St. Roch befindet sich zum einen der „service dentaire“, (mit Paro, Kons, Prothetik und Notdienst) was in etwa unserer Zahnklinik entspricht, und LENTULO ( „service de chirugie buccale et d'implantologie“). LENVAL ist im Gegensatz zu St.Roch ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt, es ist ein großes Kinderkrankenhaus, in dem sich die Kinderzahnheilkunde (pedo) und Kieferorthopädie (ortho, oder ODF für orthopédie dento-faciale) befindet.
Wenn man nun als frischgebackener französischer Student in der Klinik ankommt, muss man sich erstmal seinen Plan zusammenschreiben, denn da hier jeder allein in einer Box arbeitet, gibt es alle acht Wochen eine neue Einteilung, damit jeder am Ende des Jahres gleichmäßig viel Kons, Prothetik, Chirurgie, Paro, Notdienst, KFO und Kinderzahnheilkunde hat. Deshalb ist jeder Wochentag in drei „vacations“ eingeteilt, immer von 8.30 bis 11.30 Uhr, 13-16 und 16-19 Uhr. Das fünfte Studienjahr ist Mittwoch vormittag, Donnerstag und Freitag in der Klinik, und man hat üblicherweise zwei feste „vacations“ Prothetik, ein bis zwei mal Kons und ein bis zwei „vacations tournantes“, also solche, die sich alle acht Wochen ändern. In diesen wechselnden Behandlungszeiten lernt man Chirugie, Paro, KFO oder Notdienste kennen. Ich hatte neben Chirugie acht Wochen lang KFO, was eine wirkliche Bereicherung für mich war, denn in LENVAL darf man als Student schon mal Bänder zementieren, Brackets kleben oder ähnliches, nimmt aber auch Erstbefunde auf und sieht auf diese Weise verschiedene kieferorthopädische Fälle und die entsprechenden Therapiemöglichkeiten.
In Chirugie werden Zähne gezogen, fast wie am Fließband, denn die Studenten kümmern sich um die Schmerzpatienten, während die Assistenten und Profs operieren. In Paro hat man am Vormittag sechs Patienten zum Zahnstein entfernen oder Deep scaling, wenn man Glück hat stehen OPs an, wo man zuschauen und assistieren kann.
In den festen „vacations“ von Kons und Prothetik hat man eigene Patienten, die sich aber relativ leicht finden lassen. Da man allein arbeitet, läuft es meist so ab, dass man sich vor der Behandlung alles an Material holt (in den Boxen sucht man Spiegel und Sonde vergeblich), und dann loslegt. Es ist am Anfang sehr mühsam, allein zu arbeiten, wobei das Problem weniger das Absaugen ist. Dagegen muss man immer, wenn man etwas vergessen hat, aus der Box (selbstverständlich Handschuhe ausziehen), an die Materialausgabe (wo eventuell eine Schlange steht), mit dem fehlenden Material zurück in die Box, ein neues Paar Handschuhe an... Ich habe in den ersten Wochen mit Sicherheit den Rekord im Handschuhverbrauch gebrochen, aber irgendwann weiß man dann, was man alles für eine Endo, eine Präp oder eine Füllung braucht.
Ein großer Unterschied macht sich in Nizza erst auf den zweiten Blick bemerkbar: der „service dentaire“ ist ein öffentliches Krankenhaus, wo jeder versorgt wird, was zur Folge hat, dass viele Patienten kommen, weil sie kein Geld haben um sich in der Stadt behandeln zu lassen. Deshalb sind in Kons vorwiegend Füllungen und Endos angesagt (Inlays sind hier die Ausnahme), und in Prothetik werden vorwiegend MEG-Prothesen, Interims- oder Totalprothesen gemacht. Teilkronen oder Konusarbeiten habe ich hier nicht gesehen, wobei mir oft erklärt wurde, dass das nicht die Situation in einer französischen Zahnarztpraxis wiederspiegelt. Die französischen Studenten lernen sozusagen an der Uni die Basics, und müssen dann für alles andere Kurse oder Fortbildungen besuchen, die dann auch nicht billig sind. Dafür hatte ich den Eindruck, dass die Studenten am Ende ihres Studiums schon über eine gewisse Erfahrung und Routine verfügen, was zum einen an den 6 Jahren Studium (davon drei volle Jahre Klinik), zum anderen an der gesamten Behandlungszeit (5 Wochen Urlaub im Jahr!!!) liegt.
Eine witzige Erfahrung außerhalb der Klinik war die Vorweihnachtszeit. Bei 15-20°C wollte bei einem Nordlicht wie mir so recht keine Weihnachtsstimmung aufkommen, daran konnten auch die mit Lichterketten geschmückten Palmen an der Promenade nichts ändern. In jeder Straße fand man hunderte Lichterketten, mit Kunstschnee geschmückte Tannen, und auf dem Weihnachtsmarkt gab es einen einzigen(!) Glühweinstand, der bei diesen Temperaturen aber verständlicherweise kaum Umsatz machte.
Viele Grüße nach Greifswald, wir sehen uns im Februar!

Weihnachtsstimmung in Nizza

Nizza-mit-dem-Chateau
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Der Hafen und die Strandpromenade
 Die Materialausgabe (la stèrilisation)

Die Patientenaufnahme (l'acueil)

Eine Behandlungsbox

Im Krankenhaus St. Roch

Kieferorthopädie
 meine vacation d'ortho in LENVAL
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