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Auslandssemester in Nizza
Auslandssemester von September bis Dezember 2004

Teil 1 | Teil 2

Viele Grüße aus Nizza von Anett aus dem 5. Studienjahr. Nachdem ich am 27. September bei 27°C und strahlendem Sonnenschein nach nur 2 Stunden Flug (dank EasyJet auch gar nicht teuer!) am Terminal 2 landete, musste ich erstmal feststellen, daß ich wahrscheinlich die einzige von uns vier Austauschstudenten bin, die nicht unter der unglaublichen Kälte leiden muß (schöne Grüße auf diesem Weg nach Helsinki und Minneapolis.

Glücklicherweise wurde ich von Julia, meiner lieben Austauschpartnerin, abgeholt (vielen Dank nochmal für den herzlichen Empfang!!!). Sie hatte schon alles mögliche mit mir geplant, und so kam es, daß ich nach zwei Tagen sowohl die ganze Klinik inklusive Doktoren kannte, als auch eine Wohnung (12m2 für stolze 390Euro!!!), ein französisches Konto, alle nötigen Versicherungen und meinen heißersehnten französischen Studentenausweis hatte. Ehrlich gesagt, ich frage mich wie man soetwas in kürzester Zeit, ohne Hilfe und ohne größere Französischkenntnisse schaffen soll. Leider ist nämlich die Bürokratie in Frankreich mindestens so kompliziert wie bei uns.

Zum Glück blieb auch Zeit, die Stadt mit allen ihren Vorzügen kennenzulernen. Eigentlich war ich die erste Woche jeden Abend mit Julia unterwegs, mal in der Altstadt, mal bei Freunden. Man hat hier in Nizza wirklich alle Möglichkeiten (Kino, Pubs, Kneipen, Salsa-Bars, Restaurants für jeden Geschmack), und das Leben fängt hier so richtig erst abends an.

Während dieser ersten Tage waren noch Semesterferien, so daß man sich also ganz gut schon mal einleben und mit allem vertraut machen kann. Ich lernte in der ersten Woche auch gleich Dr. Medioni kennen, das ist der ERASMUS-Koordinator für die Zahnis in Nizza, und ich kann nur sagen, wenn jemand von Euch mal plant, hierher zu kommen, wendet Euch an ihn, er hat wirklich immer ein offenes Ohr, und nicht immer hat man das Glück gleich die Studenten persönlich kennenzulernen, und bei allen organisatorischen Problemen hilft er gern. Das betrifft sowohl die Wohnungssuche usw., als auch die Suche nach geeigneten Patienten. 

Diese gestaltet sich in Nizza (zum Glück) garnicht so schwierig. Das liegt daran, daß alle Studenten hier verpflichtet sind, regelmäßig Schmerzdienste (Urgences) zu machen, und alle Patienten werden vom Schmerzdienst entweder direkt einem Studenten zugeteilt, oder auf eine Warteliste, die sogenannte „liste d'attente“ (!!!) gesetzt. So habe ich mir in der ersten Semesterwoche die Wartelisten genommen und Patienten ausgesucht. Man hat dort teilweise schon Erstbefunde und Röntgenbilder vorzuliegen, was die Entscheidung oft leichter macht. Dann ruft man einfach an und macht Termine aus, was nach einigen Versuchen auch sprachlich keine größeren Probleme macht. Kleiner Tip: Falls jemand eine Totale braucht, hier gibt es genug!!!

Dann ging am 4.Oktober auch schon der Semesteralltag los: Montag und Dienstag hat das 5. Studienjahr grundsätzlich Vorlesungen, die sind aber nicht an der Zahnklinik, sondern an der Fakultät.

Man sollte auch nicht erwarten, daß Vorlesung gleich Vorlesung ist. Häufig beinhalten die Vorlesung praktische Kurse (travaux pratiques), die als Blockveranstaltungen immer den theoretischen Vorlesungen folgen. So habe ich bisher in Zahnerhaltung zwei weitere maschinelle Aufbereitungssysteme (rotation contenu) kennengelernt, nächste Woche machen wir Wurzelfüllungen mit Thermafil, in Paro lernt man OP-Verfahren am Phantomkopf, in KFO neben Cephalometrie auch das Anlegen von Multibändern. Die Vorlesungen sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig, aber zu 90% eine Bereicherung (Ausnahmen gibt es immer), und die Sprache ist nur selten ein Hindernis, weil viele Worte auch hier aus dem Lateinischen entlehnt wurden.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag ist man dann ganztägig an der Klinik. Die Klinik teilt sich auch hier in Prothetik und Kons (mit Paro). Allerdings sucht man hier vergeblich einen großen Saal für die Studentenkurse, hier gibt es stattdessen zwei lange Flure mit circa 30 Boxen, das sind kleine Behandlungsräume mit einem Stuhl, einem Computer mit Internetzugang, und, das Highlight: einem digitalen Röntgengerät (radiographie numérique). Auf jeder Seite (Kons und Prothetik) gibt es eine große Materialausgabe, wo man all das findet, was das Herz begehrt!

Über den Klinikalltag kann ich eine Menge erzählen, aber das hebe ich mir für's nächste Mal auf.

Fortsetzung folgt!!



Meine Ankunft an der Côte d'azur



Mein Mini-Appartment



Cours Saleya in der Altstadt


Hôpital St.Roch, Innenhof



Die "faculté d'odontologie"



Hôpital St.Roch





letzte Änderung
01.03.2012