Balken
Aktuelles
Spacer Mitteilungen 2011 Spacer Spacer
Spacer Spacer 16. Greifswalder Fachsymposium
Schnupperkurs Lachgas
Ewald-Harndt-Medaille 2011
Lachgas
Spacer Spacer


Kinderzahnheilkunde begeistert Zahnmediziner Wissenschaftliches Programm des Zahnärztetages

Der diesjährige Zahnärztetag stand unter dem Motto „Kinderzahnheilkunde in der Praxis“. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Christian Splieth,Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin & Kinderzahnheilkunde, wurde die gesamte Bandbreite dieses Querschnittfachs als zahnmedizinische Behandlung von Kindern präsentiert. In der Einführung wies Prof. Splieth auf die großen Erfolge bei der Kariesprävention hin, betonte aber, dass die Kariesreduktionen im Milchgebiss deutlich geringer ausfallen und der Versorgungsgrad immer noch unbefriedigend ist. Der Kongress leistet damit einen wichtigen Beitrag, stärken, um zukünftige Verbesserungen zu erzielen.

Außerdem steigt seit drei Jahren der Kariesbefall bei Dreijährigen in Mecklenburg-Vorpommern. Prof. Splieth begrüßte die Initiative der Zahnärztekammer, die Nutzung des Zahnärztlichen Kinderpasses in regionalen Fortbildungen zu erhöhen. Weiterhin wird über die Landesarbeitsgemeinschaft ein Programm zur Prävention der frühkindlichen Karies mit Familienhebammen und in den Kinderkrippen entwickelt.

Oberärztin Dr. Christine Berndt aus Greifswald vertiefte im ersten Fachreferat die epidemiologische Situation der oralen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern. Gerade seit dem Jahr 2000 und im permanenten Gebiss sind große Erfolge festzustellen. Neben der Milchgebisskaries bleibt aber die Approximalkaries bei Jugendlichen ein Problem. Hierzu berichtete PD Dr. Sebastian Paris, Kiel, von aktuellen Erkenntnissen zur Entwicklung und Therapie der Approximalkaries, insbesondere der mikroinvasiven Infiltration, die in ersten Studien für kleine Defekte erfolgreich zu sein scheint. Dr. Lutz Laurisch, Korschenbroich, stellte im ersten Referatsblock sein Konzept vor, wie man vom ersten Zahn an ein gesundes Gebiss erhalten kann.

Am Samstag lenkte Prof. Dr. Franka Stahl de Castrillon, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie an der Universität Rostock, den Blick auf Möglichkeiten und Indikationen der kieferorthopädischen Frühbehandlung. Sie sprach über das Vorkommen von Habits und orofazialen Fehlfunktionen, die häufig schon früh zu Abweichungen von der regelrechten Zahnbogenform und der Entwicklung von Gebissanomalien führen können. Neben der kieferorthopädischen Prävention und Frühbehandlung sollte in einem integrativen Konzept der Kinderzahnheilkunde vor allem das „kieferorthopädische Risikokind“, welches von der Frühbehandlung am diagnostiziert und einer funktionell orientierten Behandlung zugeführt werden.

Professor Dr. Britta Bockholdt, Direktorin der Rechtsmedizin an der Universität Greifswald, nahm das sehr sensible Thema Kindesvernachlässigung und –misshandlung auf. Da die Mehrheit der Verletzungen bei Misshandlungen von Kindern im Kiefer- und Gesichtsbereich zu beobachten sind, kommt dem Zahnarzt hier eine besondere Bedeutung zu. Der Vortragsblock wurde durch „Rechtliche Aspekte bei der Behandlung Minderjähriger“ von dem Hauptgeschäftsführer der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Rechtsanwalt Peter Ihle, abgerundet, der die Grundsätze der Geschäftsfähigkeit und der Einwilligung in der Kinder- und Jugendbehandlung darlegte.

Danach ging es direkt in die Alltagsbehandlung im Milchgebiss: Prof. Splieth und die in Hamburg als Kinderspezialistin niedergelassene Kollegin Dr. Tania Roloff verdeutlichten, dass sowohl bei der Restauration als auch der Pulpatherapie beim Milchzahn alles anders ist als beim bleibenden Zahn. Füllungen, insbesondere bei größeren Defekten und mit reinen Glassionomerzementen, sind meist zum Scheitern verurteilt. Kunststoffverstärkte Glassionomere und Kompomere können bei bis zu zweiflächigen Defekten erfolgreich sein, danach sind sie eigentlich kontraindiziert, da die Stahlkrone wesentlich bessere Überlebensraten aufweist. Bei der tiefen Karies sind zweifelhafte cp- oder p-Behandlungen nicht empfehlenswert, so Roloff, sondern die Pulpotomie garantiert hier hohe Erfolgsraten. Bei irreversiblen Pulpitiden ist eine WK/WF mit Iodoform-Kalziumhydroxydplasten eine verlässliche Therapievariante.

Die Beiträge der Zahnärztekammer Hamburg zur Lachgassedierung, Verhaltensführung und Narkosesanierung fügten sich nahtlos in das Programm ein und verdeutlichten das ganze Spektrum, um die gewünschten Maßnahmen auch in ausreichender Qualität als Zahnarzt durchführen zu können.

Am Sonntag wurden zuerst Epidemiologie, Prävention (Prof. Dr. Wolfgang Sümnig, Greifswald) und Therapie des Frontzahntraumas (PD d´Dr, Yango Pohl, Bonn) systematisch aufgearbeitet. Die Mehrheit der Verletzungen ist als Schmelz-Dentin-Frakturen sicherlich unproblematisch zu behandeln. Pulpabeteiligung, Luxationen und Avulsionen betreffen dagegen biologisch reaktive Gewebe, deren Regenerationspotential optimal ausgeschöpft werden sollte.

Abschließend zeigten Dr. Wolfgang Kuwatsch, Rostock, und Dr. Tania Roloff, Hamburg, wie man die dargestellten Konzepte und Maßnahmen der Kinderzahnheilkunde mit ausreichender Kooperation beim Kind und wirtschaftlich erfolgreich umsetzen kann. Verhaltensformung und ggf. auch Hypnose oder die Narkose sind essentielle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kinderzahnheilkunde, genau wie eine zielgerichtete, straffe Planung und eine professionelle Ausrichtung und Ausstattung der Praxis.

Das Programm wurde um Seminare zur Vertiefung und praktischen Anwendung ergänzt. Am Samstag hatten auch die Zahnmedizinischen Fachangestellten die Chance, sich in Referaten über Wachstum und Entwicklung beim Kind, Kinderkrankheiten, Verhaltensführung sowie über Prävention und Therapie weiter zu qualifizieren.

Insgesamt zeigte der Kongress die Bandbreite der Kinderzahnheilkunde auf und leistete einen wichtigen Beitrag, die Kinderbehandlung beim Generalisten in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken und die Kooperation mit dem Spezialisten für weitergehende Behandlungen, gerade im Milchgebiss, zu etablieren.

Prof. Dr. Christian Splieth, Greifswald




letzte Änderung
01.03.2012