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Abteilung Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Kinderzahnheilkunde
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Mundhygieneprogramm für
Malignompatienten im Kindesalter

Mundhygieneprogramm
Pfeil runterEinleitung
Pfeil runterVor der Intensivtherapie
Pfeil runterAusgewählte Zytostatika mit Nebenwirkungen auf die Mundschleimhaut
Pfeil runterWHO-Gradeinteilung der Toxizität der Mundschleimhautveränderungen
Pfeil runterBild 1: Cheilitis
Pfeil runterBild 2: Mucositis - WHO-Grad 1
Pfeil runterWährend der Intensivtherapie
Pfeil runterMundpflegemaßnahmen bei Zytostatikatherapie
Pfeil runterIndikation zur medikamentösen Mundpflege
Pfeil runterNach der Intensivtherapie

Zahnärztliches Mundpflegeprogramm für Patienten während einer Stammzelltransplantation
Pfeil runterVorbereitung des Patienten mit zahnärztlicher Diagnostik und Therapie
Pfeil runterMundpflegeprogramm während der Stammzelltransplantation

Konsultant
Pfeil runterAdreßangaben

Einleitung
Das Wohlbefinden eines krebskranken Patienten und die zeitgerechte Durchführung der Therapie werden in bedeutendem Maße durch Schmerzfreiheit und die Möglichkeit der ungehinderten Nahrungsaufnahme beeinflußt. Da im Wirkungsspektrum der Zytostatika Gewebe und Organe in differenzierter Form geschädigt werden, wird auch die Mundschleimhaut durch die Zytostatika in unterschiedlichem Ausprägungsgrad beeinträchtigt. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Zahnmedizinern ist deshalb notwendig . Oralen Infektionen kann so effektiver vorgebeugt, ihr Auftreten minimiert und über eine gezielte Anwendung von unterstützenden Mundhygienemaßnahmen einer schnelleren Heilung zugeführt werden. Orale und systemische Komplikationen mit Ursache in der Mundhöhle können so reduziert oder verhindert werden.

Vor der Intensivtherapie
zahnärztliche Diagnostik:

  • Zustand der Mundschleimhaut und Gingiva
  • Aufnahme des Kariesstatus
  • Mundhygienebefund
  • Röntgendiagnostik

zahnärztlich-chirurgische Therapie:

  • Extraktion nichterhaltungswürdiger Zähne
  • operative Entfernung von verlagerten Weißheitszähnen, Wurzelresten u.a.

zahnärztlich-konservierende Therapie:

  • Kariestherapie mit definitiven Füllungen
  • endodontische Behandlung erhaltungswürdiger Zähne
  • professionelle Zahnreinigung
  • Motivation und Instruktion zur Mundhygiene
  • lokale Fluoridierungsmaßnahmen

Ausgewählte Zytostatika mit Nebenwirkungen auf die Mundschleimhaut
(siehe Tabelle unten)

WHO-Gradeinteilung der Toxizität der Mundschleimhautveränderungen

  • Grad 0 keine Veränderungen
  • Grad 1 Erythem
  • Grad 2 Erythem,Ulzera (Patient kann feste Speisen essen.)
  • Grad 3 Ulzerationen (Patient kann nur flüssige Kost zu sich nehmen.)
  • Grad 4 Ernährung oral nicht mehr möglich

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Bild 1: Cheilitis

Lippe

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Bild 2: Mucositis - WHO-Grad 1

Schleimhaut der Lippe

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Während der Intensivtherapie

  • Motivation und Instruktion zur Verbesserung der Mundhygiene
  • 2 x tgl. gewissenhafte Zahn-und Mundpflege durch den Patienten
  • häufiges Befeuchten der Mundschleimhaut beispielsweise mit gering karbonathaltigem Mineralwasser
  • Trageverbot von kieferorthopädischen Apparaturen
  • Meiden heißer, stark gewürzter und säurehaltiger Speisen
  • Wechsel der Zahnbürste nach einer aufgetretenen Mundschleimhautentzündung
  • frühzeitige Diagnostik von beginnenden Mundschleimhautveränderungen und Beginn zusätzlicher Mundpflegemaßnahmen

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Mundpflegemaßnahmen bei Zytostatikatherapie

1. präventiv während der gesamten intensiven Zytostatikatherapie

  • Nystatin Mundspülungen 3 x tgl.

    Mucositis (WHO-Grad 1)

    • 3 x tgl. Mundspülungen mit Meridol

    Stomatitis mit Ulzerationen (WHO-Grad 2-4) - Medikamentöse Mundpflege

    • 2 x tgl. 1 minütige Mundspülungen mit 0,1 %-igem Chlorhexidindigluconat
    • oder 3 x tgl. Mundspülungen mit Bepanthen-R-Lösung (stündliche Anwendung möglich)
    • vor den Mahlzeiten Anwendung von Oberflächenanästhetika in Form von Salben und Flüssigkeiten etwa 30 min. vor den Mahlzeiten
    • Xylocain viscos
    • Solcoseryl-Mundsalbe (bei einzeln auftretenden Ulzerationen)
    • Zahnbürstenwechsel nach Stomatitiden ist zu kontrollieren

2. alternative Behandlungsmethoden

  • Spülungen mit Salbeitee
  • Spülungen mit Kamillentee
  • Cheilitis
  • Lippenpflege mit Bepanthensalbe
  • feuchte Kompressen(z.B. mit Salbeitee/Kamillentee)

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Indikationen zur medikamentösen Mundpflege
(Unterbrechung der Zahn-und Mundpflege mit der Zahnbürste)

  • Thrombozytenzahl unter 20 GPT/l
  • Schleimhautblutungen verschiedener Ursache
  • Stomatitis ulcerosa
  • massiver Mundsoor
  • massiver Herpesbefall
  • ausgeprägte Cheilitis

Nach der Intensivtherapie

  • Betreuung beim Heimat- bzw. Hauszahnarzt in einem engmaschigen Recall-System
  • Durchführung des Individualprophylaxeprogrammes
  • professionelle Zahnreinigung
  • Fissurenversieglungen
  • Füllungstherapie

    Vor einem zahnärztlich- chirurgischen Eingriff und endodontischen Therapieverfahren muß eine Planung und Absprache der Behandlungsmöglichkeiten zwischen dem Zahnarzt und dem behandelnden Onkologen-Hämatologen getroffen werden.

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Zahnärztliches Mundpflegeprogramm für Patienten während einer Stammzelltransplantation

1. Vorbereitung des Patienten mit zahnärztlicher Diagnostik und Therapie

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2. Mundpflegeprogramm während der Stammzelltransplantation

    2.1 WHO-Grad 0-1; Leukozytenzahl > 2 Gpt/l

    • 2 x tgl. gründliche Zahn- und Mundpflege
    • 3 x tgl. Meridol-Mundspülung
    • 3 x tgl. Nebacitin-Mundspülung
    • Lippenpflege (Bepanthensalbe)

    2.2 WHO-Grad 2-4; Leukozytenzahl < 2 Gpt/l

    • 2 x tgl. 0,1%-ige Chlorhexidindigluconat -Spülungen bzw. Mundreinigung mit in Chlorhexidindigluconat getränkten Tupfern durch das Pflegepersonal oder
    • 3 x tgl. bis maximal stündliche Mundspülungen mit Bepanthen-R-Lösungen (Mundschleimhautbefeuchtung)
    • Lippenpflege (Bepanthensalbe)
    • stündliches Auflegen von feuchten Kompressen
    • Aufbringen von anästhesierenden Gelen oder Lösungen 30 min. vor Nahrungsaufnahme auf Lippen bzw. Lippenschleimhaut
    • 3 x tgl. Nebacitin-Mundspülungen

    2.3 WHO-Grad 0-1; Leukozythenzahl < 1 Gpt/l

    • 2 x tgl. Zahn- und Mundpflege mit sterilen, täglich zu wechselnden Zahnbürsten
    • 3 x tgl. Meridol-Mundspülungen
    • 3 x tgl. Nebacitin-Mundspülungen
    • Lippenpflege

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Konsultant
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Dr. med. Marlies Schidlowski
Abt. f. Konservierende Zahnheilkunde, Parodontologie und Kinderzahnheilkunde (Direktor: Prof.Dr. G. Meyer)
Rotgerberstr. 8
D-17475 Greifswald
Tel.: 0 (+49) 3834-867136
Fax: 0 (+49) 3834-867171

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Ausgewählte Zytostatika mit Nebenwirkungen auf die Mundschleimhaut

Stomatitis Mucositis
Adriamycin (Stomatitis ulcerosa) Melphalan
Vincristinsulfat Dacarbazin
Methotrexat (Stomatitis ulcerosa) Etoposid
Actinomycin D
Bleomycin
Vinblastin
Mitramycin
ARA-C
Daunorubicin





letzte Änderung
21.11.2011